Viveka Chudamani

(Das Kronjuwel der Unterscheidung)

Shankaracharya

010203040506070809101112131415161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748495051525354555657585960616263646566676869707172737475767778798081828384858687888990919293949596979899100101102103104105106107108109110111112113114115116117118119120121122123124125126127128129130131132133134135136137138139140141142143144145146147148149150151152153154155156157158159160161162163164165166167168169170171172173174175176177178179180181182183184185186187188189190191192193194195196197198199200201202203204205206207208209210211212213214215216217218219220221222223224225226227228229230231232233234235236237238239240241242243244245246247248249250251252253254255256257258259260261262263264265266267268269270271272273274275276277278279280281282283284285286287288289290291292293294295296297298299300301302303304305306307308309310311312313314315316317318319320321322323324325326327328329330331332333334335336337338339340341342343344345346347348349350351352353354355356357358359360361362363364365366367368369370371372373374375376377378379380381382383384385386387388389390391392393394395396397398399400401402403404405406407408409410411412413414415416417418419420421422423424425426427428429430431432433434435436437438439440441442443444445446447448449450451452453454455456457458459460461462463464465466467468469470471472473474475476477478479480481482483484485486487488489490491492493494495496497498499500501502503504505506507508509510511512513514515516517518519520521522523524525526527528529530531532533534535536537538539540541542543544545546547548549550551552553554555556557558559560561562563564565566567568569570571572573574575576577578579580581


01

Ich verneige mich vor Sri Govinda, dem großen spirituellen Meister, der die höchste Glückseligkeit erreicht hat, dessen Wesen die höchste Glückseligkeit ist, die jenseits der Sinneserfahrungen ist und dessen Wonne nur durch die volle Verinnerlichung der Essenz des Vedanta erfahren werden kann.

.

02

Für alle Lebewesen ist eine menschliche Geburt in der Tat selten, noch schwieriger ist es, im Zustand des Menschseins zu verweilen und noch seltener gelingt es, ein weises nach hohen Idealen strebendes ethisches Leben zu führen. Selbst dann, wenn Einer diese seltene Möglichkeit bekommt, ist es schwierig, im Geist befestigt auf dem spirituellen Pfad des Vedanta zu bleiben. Noch schwieriger ist es, ein korrektes Verständnis zu der tiefen Bedeutung der Schriften zu erlangen, wie z.B. die Unterscheidung zwischen dem Selbst und Nichtselbst, und so durch die Selbsterfahrung der Gottesverwirklichung – ruhend auf der Identität mit Brahman -, zur Befreiung zu kommen. Die Befreiung kann jedoch ohne die guten Taten vieler Millionen Leben nicht erreicht werden.

.

03

Dies sind die drei Dinge, die in der Tat selten sind und nur durch Gottes Gnade zu erreichen sind: Eine Geburt als Mensch, das Verlangen nach Befreiung und die Zuflucht zu einem selbstverwirklichten Meister.

.

04

Derjenige, dem das schwer zu erlangende Dasein als menschliches Wesen mit menschlichem Bewusstsein und vollständigem Wissen der Schriften zuteil geworden ist, und trotzdem nicht nach Selbstverwirklichung strebt, sondern an dem Vergänglichen festhält, handelt dumm und richtet sich zugrunde.

.

05

Gibt es einen größeren Dummkopf, als denjenigen, der, nachdem er dieses schwer zu erreichende Ziel – als Mensch geboren werden zu können mit einem menschlichen Bewusstsein – erreicht hat, versäumt, nach seinem höchsten Ziel zu streben?

.

06

Auch wenn die heiligen Schriften rezitiert, die Götter angerufen und durch Rituale verehrt werden, gibt es – ohne die Erfahrung der Selbstverwirklichung – keine Befreiung für das Individuum, auch nicht innerhalb von 100 Lebensaltern Brahmas.

.

07

Die Schriften sagen: „Unsterblichkeit kann nicht durch Reichtum erreicht werden.“ Befreiung ist nicht das Ergebnis guter Werke.

.

08

Deshalb strebt der Weise nach Befreiung, indem er dem Wunsch nach Vergnügen und Befriedigung der Sinnesobjekte entsagt und den Lehren der großen Vedanta Lehrer folgt.

.

09

Fest gegründet im Yoga, verwurzelt in der richtigen Erkenntnis erhebt sich die im Ozean des Kreislaufes vom Tod und Geburt versunkene Seele, wenn sie nach dem wahren Selbst (Atman) strebt.

.

10

Die Weisen, die fest entschlossen und standhaft sind, geben alle Handlungen auf, um sich von den Fesseln der physischen Existenz zu befreien und streben nach Selbsterkenntnis.

.

11

Handlungen helfen, um den Geist zu reinigen, führen aber nicht zur Erkenntnis der Wirklichkeit. Die Wahrheit erschließt sich durch die kritische Selbstbefragung (Vicara) und nicht im Geringsten durch Millionen von Handlungen.

.

12

Sorgfältiges Überprüfen (Vicara) über ein Seil hilft die Illusion zu zerstören, es sei eine furchterregende Schlange.

.

13

Weder heilige Bäder noch irgendwelche wohltätige Geschenke, noch Hunderte von Pranayama Übungen können uns Wissen über das Selbst geben. Das wahre Wissen wird durch das richtige Befragen erlangt.

.

14

Der Erfolg des spirituellen Suchers hängt von seiner Reife und nicht von Ort und Zeit ab, sie sind lediglich Hilfsmittel auf dem Weg.

.

15

Der nach der Wahrheit von Atman strebende Aspirant soll weiter über das Selbst nachdenken, sich im Selbst vertiefen, nachdem er einen spirituellen Meister aufgesucht hat, der Brahman verwirklicht hat und dessen Herz ein Ozean der Barmherzigkeit ist.

.

16

Wer Kenntnis, Weisheit, Vernunft und Unterscheidungskraft besitzt, ist bereit, das Wissen des Selbst zu empfangen.

.

17

Nur derjenige ist geeignet für die Suche nach der höchsten Wahrheit, der zwischen den Wirklichen und Unwirklichen unterscheiden kann, wer leidenschaftslos ist, wer die 6 Tugenden wie Stille, Ruhe des Geistes, Selbstbeherrschung etc. hat, und wer tiefe Sehnsucht nach Befreiung verspürt.

.

18

Die Weisen sagen: Um die Selbstverwirklichung zu erlangen, sind vier Voraussetzungen nötig – wenn sie fehlen, wird das Ziel nicht erreicht.

.

19

Unter den Voraussetzungen ist die erste die Unterscheidung zwischen Vergänglichem und Unvergänglichem (Viveka). Dann kommt die Verhaftungslosigkeit darüber, ob man in diesem Leben oder im Jenseits die Früchte für Mühen und getane Arbeit genießt. Dann folgen die 6 Tugenden wie Stille der Gedanken und Gefühle, Ruhe des Geistes und schließlich die tiefe Sehnsucht nach Befreiung.

.

20

„Brahma satyam, jagan mithya“ – Brahman alleine ist wirklich, die Welt, wie wir sie erfahren, ist unwirklich – diese feste Überzeugung entsteht durch die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen .

.

21

Vairagya ist Leidenschaftslosigkeit, Wunschlosigkeit und Verhaftungslosigkeit. Es ist das Aufgeben des Verlangens gegenüber Sinnesobjekten, die durch Sehen und Hören entstanden sind, sich von der Genusswelt des Vergänglichen zu lösen und zum Brahman zu streben.

.

22

Der ruhige, friedvolle Zustand des Geistes – nachdem er sich von den zahllosen Gegenständen der Sinneswahrnehmung losgelöst und durch einen Prozess fortlaufender Beobachtung ihre Unvollkommenheit erkannt hat und dabei seine Achtsamkeit unablässig auf das Ziel richtet – wird innere Stille  (Shama) genannt.

.

23

Beide Arten von Sinnesorganen (des Wissens und der Handlung) von ihren Sinnesobjekten wegzusteuern, und sie in ihrem entsprechenden Aktivitätszentrum zu platzieren, wird Dama (Selbstkontrolle, Sinnesbeherrschung) genannt. Vollkommene Gemütsruhe bedeutet, dass die Gedankenwellen sich zurückziehen und das Denkorgan auf äußere Sinneseindrücke von den Sinnesreizen der Umwelt unberührt bleibt.

.

24

Titiksha (Gleichmut, Geduld, innere Stärke) ist die Fähigkeit, alle Sorgen und alles Leid auszuhalten, ohne den Gedanken an Rache, ohne Angst und Kummer, ohne Klagen.

.

25

Das wodurch jemand die genaue Bedeutung der Schriften versteht genauso wie den bedeutungsvollen Worten des Lehrers folgt, wird von den Weisen Shraddha genannt. Nur dadurch manifestiert sich die Realität klar.

.

26

Meditative Versenkung ist die ununterbrochene Konzentration des Geistes auf die ewig reine Absolute Wirklichkeit (Brahman). Er wird nicht erreicht durch den freien Lauf der Gedanken.

.

27

Mumukshuta ist das brennende Verlangen nach Befreiung, indem man sein wahres Selbst erkennt und sich von den Fesseln des Ego und von der Illusion der Unwissenheit befreit.

.

28

Auch wenn der Wunsch nach Befreiung nur schwach oder mäßig ist, wird er durch Vairagya (Verhaftungslosigkeit), durch die 6 Tugenden wie Ruhe des Geistes, Selbstbeherrschung und durch die Gnade des Meisters größer und stärker und trägt Früchte.

.

29

Nur wenn die Verhaftungslosigkeit und der Wunsch nach Befreiung stark sind, können sich die 6 Tugenden entfalten und Früchte tragen.

.

30

Wenn die Verhaftungslosigkeit und der Wunsch nach Befreiung  schwach sind, wirken die 6 Tugenden, wie Stille der Gedanken, nur wie ein Trugbild des Wassers in der Wüste.

.

31

Unter den vielen Wegen, die zur Befreiung führen, ist Bhakti (Hingabe) das wichtigste. Liebevolle Hingabe an Gott (Bhakti) bedeutet, unablässig über das wahre Selbst zu meditieren.

.

32

Andere behaupten, dass Bhakti das ständige Fragen nach der Wahrheit des eigenen Selbst ist. Derjenige, der die oben genannten Voraussetzungen erfüllt und begierig ist, die Wahrheit des Selbst zu kennen, sollte einen erleuchteten Meister aufsuchen, um von den Fesseln des Geburtenkreislaufes befreit zu werden.

.

33

Der Meister versteht die Schriften, ist frei von Sünden, nicht von Wünschen geplagt, ein wahrer Kenner der Absoluten Wirklichkeit. Er ruht in der höchsten Wahrheit, gütig und still wie eim Feuer ohne Brennholz, wie ein Meer bedingungsloser Güte und ist ein Freund jener Aufrichtigen, die sich ihm anvertrauen.

.

34

Verehre den Lehrer mit tiefer Hingabe und wenn der Lehrer mit deiner Hingabe, deiner Demut und deinem Dienst zufrieden ist, dann geh auf ihn zu und frage ihn, was du wissen musst.

.

35

„Oh Meister, oh Freund aller, die sich Dir ehrerbietig hingeben, Du Ozean der Gnade und Barmherzigkeit, errette mich, den im Ozean der weltlichen Existenz versunkenen, mit einem Blick, der den Nektar der göttlichen Barmherzigkeit versprüht.“

.

36

„Beschütze mich vor dem Tod! Ich verglühe in dem unerträglichen Flammenmeer der Wiedergeburten (Samsara), ich bin von den Stürmen eines unerbittlichen Schicksals hin- und hergerissen. Angsterfüllt nehme ich Zuflucht zu Dir. Ich kenne keinen anderen Schutz“.

.

37

Es gibt große Seelen, die den Frieden gefunden haben, und den Menschen wie der Frühling Segen bringen. Sie haben den schrecklichen Ozean von Geburt und Tod selber überquert und helfen selbstlos auch anderen, ihn zu überqueren.

.

38

Es ist die Natur dieser großen Seelen zu helfen, die Schwierigkeiten anderer zu beseitigen. Genauso wie der Mond, der die von den glühenden Strahlen der Sonne ausgedörrte Erde kühlt.

.

39

„Oh Meister! Ergieße den Nektar deiner Worte über mich, der wie aus einem  Krug rein und kühlend auf mich als Elixier wie die Wonne der Absoluten Wirklichkeit (Brahman) wirkt. Ich verbrenne unter den Qualen im Kreislauf von Geburt und Tod, wie in den Flammen eines brennenden Waldes. Gesegnet sind jene, auf denen Dein Blick nur eine Sekunde ruht, die zu Dir Zuflucht gefunden haben.“

.

40

„Wie kann ich den Strom der Geburten und Tode überqueren? Was ist mein Ziel, was ist der Weg? Ich weiß nichts. Hab Erbarmen! Behüte mich oh Meister! Lass das Elend der Wiedergeburten ein Ende nehmen!“

.

41

Mit diesen Worten sucht der Schüler, der im Waldbrand der Wiedergeburten Qualen leidet, beim Meister Zuflucht. Die große Seele schaut ihn mit einem Blick an, der vom Gefühl von Mitgefühl erfüllt ist, und beruhigt ihn sogleich: „ Fürchte dich nicht!“

.

42

Ihn, der nach Befreiung dürstet, der bei dem Lehrer Zuflucht sucht und gewissenhaft nach den Anweisungen der Schriften lebt, ihn, der Ruhe im Geist und Frieden im Herzen hat, sollte der Lehrer wohlgesonnen über die Erkenntnis der Wahrheit unterweisen.

.

43

„Fürchte dich nicht, oh Wissender! Für das Überqueren des Ozeans der Widergeburten gibt es einen Weg. Diesen Weg, auf dem die Weisen ans andere Ufer gelangt sind, werde ich dir zeigen.“

.

44

„Es gibt einen großartigen Weg, der es dir ermöglicht aus dem Kreislauf von Samsara auszubrechen. Auf jenem Weg überquerst du den Ozean der Wiedergeburten und erlangst höchste Glückseligkeit.“

.

45

„Du erlangst höchste Erkenntnis durch die intensive Kontemplation über die wahre Bedeutung der Veden und Upanishaden. Durch das höchste Wissen hört das Leiden des immerwährenden Geburtenkreislaufes auf.“

.

46

Die Schriften sagen, Vertrauen, Hingabe, Meditation und Yoga sind die Säulen, die den spirituellen Aspiranten zur Befreiung führen. Wer dies beständig verfolgt, wird von den Fesseln des Körpers befreit, die aus Unwissenheit entstanden sind.

.

47

„Du bist das Höchste Selbst- aber indem du in der Unwissenheit gefangen bist, bindest du dich an das Nicht–Selbst (Anatman) und dies ist der Grund des Kreislaufes von Geburt und Tod. Das Feuer der Erkenntnis – entstanden aus der Unterscheidung (Viveka) zwischen Selbst und Nicht-Selbst – verbrennt die Folgen der Unwissenheit, samt der Wurzel.“

.

48

Der Schüler spricht: „Höre bitte oh Meister die Frage, die ich stellen möchte. Wenn ich die Antwort aus deinem Munde vernommen habe, werde ich mein Ziel erreicht haben.“

.

49

„Was ist Anhaftung? Wie ist sie entstanden? Wo kommt sie her? Wie kann sie weiterhin bestehen? Wie kann man sich davon befreien? Was ist jenes Nicht-Selbst? Was ist das Höchste Selbst? Wie kann man zwischen den beiden unterscheiden? Bitte erkläre mir das!“

.

50

Der Meister erwidert: „Du bist gesegnet. Du hast deine Pflicht erfüllt. Deine Familie wird durch dich geheiligt, indem du dich von den Fesseln der Unwissenheit befreist und zur Absoluten Wirklichkeit werden willst.“

.

51

Einem Vater können seine Söhne oder andere seine Schulden bezahlen, aber nur er selbst kann sich von den Fesseln der Wiedergeburt befreien.

.

52

Wenn eine schwere Last auf dem Kopf ruht, können diese andere abnehmen, aber nur der Mensch selbst kann seinen Hunger und seine Durst stillen.

.

53

Ein Kranker wird nur dann wieder gesund, wenn er die vorgeschriebene Schonkost einhält und die Medizin einnimmt, das kann niemand stellvertretend für ihn machen.

.

54

Das Wesen der Absoluten Wirklichkeit muss man mit dem Auge wahrer Einsicht selber erfahren. Man kann es nicht durch den Bericht eines Gelehrten verstehen. Die Schönheit des Mondes muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Wie könnte man sie durch die Augen anderer sehen?

.

55

Wer außer dem eigenen Selbst (Atman) kann sich von den Fesseln der Unwissenheit, der Begierden und Taten befreien, die in Millionen von Weltenjahren entstanden sind?

.

56

Nicht durch Yoga, nicht durch Sankhya, nicht durch Rituale, nicht durch Gelehrtheit wird man befreit, sondern nur durch das Erkenntnis der Einheit von Brahman und Atman.

.

57

Die Schönheit der Form einer Vina und die Fähigkeit des Spielens auf den Saiten dienen nur zur Freude des Publikums, reichen jedoch nicht aus, um zur Selbstverwirklichung zu führen.

.

58

Ein beredsamer Vortrag, ein Strom von Worten, die Auslegung der Schriften, große Kenntnisse der Gelehrten befriedigen zwar die Gelehrten, führen jedoch nicht zur Befreiung.

.

59

Wenn die höchste Wirklichkeit nicht erkannt wird, ist das Studium der Schriften nutzlos. Wenn jedoch die höchste Wirklichkeit erkannt wird, ist das Studium der Schriften ebenso nutzlos.

.

60

Die Schriften, die wie ein dichter Dschungel aus Worten sind, verwirren nur den Geist. Daher muss die Wirklichkeit des Selbst mit Hilfe eines Lehrers erfahren werden, der selbst die höchste Wirklichkeit erkannt hat.

.

61

Für jemanden, der von der Schlange der Unwissenheit gebissen worden ist, ist das einzige Heilmittel die Erkenntnis der absoluten Wirklichkeit. Was nutzen die Veden und andere Schriften, Mantras und Arzneien dabei?

.

62

Eine Krankheit geht dadurch nicht weg, dass man das Wort „Medizin“ ausspricht, ohne sie einzunehmen. Man wird nicht befreit, indem man das Wort „Brahman“ ausspricht, ohne Brahman selbst zu erfahren.

.

63

Wie kann einer die Befreiung alleine durch das Reden über Brahman erreichen, ohne dass die sichtbare Welt transzendiert und die wahre Natur des Selbst erkannt wird?

.

64

Man kann nicht dadurch König werden, dass man sagt: „Ich bin der König“, ohne die Feinde bekämpft, das Land vollständig erobert und die Herrschaft übernommen zu haben.

.

65

Ein Schatz im Boden kann gehoben werden dadurch, dass man erfährt, wo er liegt, nach ihm gräbt und die Steine, die ihn bedecken, entfernt, nicht aber dadurch, dass man sagt, er solle aus der Erde herauskommen. Ebenso erlangt man das reine, durch Maya verhüllte Selbst durch Unterweisungen des Schülers durch einen Kenner der Absoluten Wirklichkeit, durch Nachdenken und Meditation. Das Selbst erschließt sich nicht durch Argumente.

.

66

Daher sollten sich die Gelehrten – um sich von den Fesseln des Kreislaufes von Geburt und Tod zu befreien – selber ernsthaft bemühen, so wie man bei einer Krankheit selber die Medizin einnehmen muss.

.

67

Die Fragen, die du heute gestellt hast, werden von den Schriftkundigen als zentral erachtet. Sie sind ausgezeichnet, tiefgründig und treffend und sollten von allen nach Befreiung Suchenden beachtet werden.

.

68

Oh du nach Wahrheit Suchender, hör aufmerksam zu, was ich dir sagen werde! Wenn du das befolgst, wirst du unverzüglich von den Fesseln des Geburtenkreislaufs (Samsara) befreit.

.

69

Der erste Schritt zur Befreiung ist die völlige Losgelöstheit gegenüber allen vergänglichen Dingen. Darauf folgen Gedankenstille , Selbstbeherrschung, Duldsamkeit und vollständiger Verzicht auf alle eigennützigen Handlungen.

.

70

Der nächste Schritt für den Aspiranten ist das Hören der Unterweisung, das Nachdenken darüber, verbunden mit langer, andauernder, ununterbrochener Meditation über die Wahrheit (Tattva). Schließlich erreicht der Aspirant Nirvikalpa Samadhi noch in diesem Leben und erfährt die Glückseligkeit des höchsten Friedens.

.

71

Jetzt sage ich dir genau, was du wissen musst: die Unterscheidung zwischen Selbst und Nicht- Selbst. Höre zu und denke im Geist darüber nach!

.

72

Der grobstoffliche Körper besteht aus sieben Substanzen, nämlich aus Mark, Knochen, Fett, Fleisch, Blut, Unterhaut und Oberhaut. Er hat Glieder und Teile, wie Füße, Beine, Brust, Arme, Rücken und Kopf.

.

73

Dieser Körper, der „ich“ und „mein“ genannt wird, ist der Sitz der Illusion und wird von den Gelehrten als „grobstofflich“ bezeichnet. Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde sind die „feinstofflichen“ Elemente .

.

74

Nachdem sich diese feinstofflichen Elemente mit je einem Teil jedes anderen Elementes verbunden haben, werden sie grobstofflich und sind die Grundlage/Essenz des grobstofflichen Körpers. Ihre feinstofflichen Teile bilden die fünf Sinnesorgane, wie Töne, Gegenstände der Berührung, Formen, Farben, Geschmäcker und Gerüche, wodurch das Individuum Erfahrungen machen kann.

.

75

Die Toren, die durch solche schweren Fesseln der Begierde an Sinnesobjekten haften, die fast unzertrennbar sind, werden gewaltsam durch ihr eigenes Karma getrieben, sei es nach oben, sei es nach unten.

.

76

Die Antilope, der Elefant, die Motte, der Fisch und die Biene sind durch ihre eigene Wesensnatur gebunden an die Eigenschaften der 5 Sinne, wie z.B. an den Ton, die schließlich die Ursache ihres Todes wird. Was wird aus dem Menschen, der allen fünf Sinnesobjekten unterworfen ist?

.

77

Sinnesobjekte sind in ihrer Wirkung noch verheerender als das Gift einer schwarzen Kobra. Gift tötet den, der es einnimmt, wogegen die Sinnesobjekte sogar den töten, der mit den Augen schaut.

.

78

Wer sich von den schweren Fesseln der Begierde an Sinnesobjekten unter großer Anstrengung befreit, erfüllt die Voraussetzungen zur Befreiung, kein anderer, selbst wenn er alle sechs philosophische Schulen kennt.

.

79

Diejenigen, die nur scheinbar entsagt haben, jedoch noch verhaftet sind und so versuchen den Ozean der Wiedergeburt zu überqueren, werden auf der halben Strecke von der Begierde in Gestalt eines Krokodils am Hals gepackt und ertrinken.

.

80

Wer die Sinnesobjekte in der Gestalt des Krokodils mit dem Schwert der wahren Verhaftungslosigkeit tötet, erreicht das andere Ufer des Ozeans von Samsara ohne Hindernisse.

.

81

Wisse, dass derjenige, der töricht auf dem Pfad der Sinnesvergnügungen umherschlendert, in jedem Moment vom Tod übermannt werden kann. Wer aber der Anleitung eines weisen Lehrers folgt, wird durch sein eigenes Bemühen das Zeil erreichen. Erkenne dies, als die reine Wahrheit!

.

82

Wenn du tatsächlich nach Befreiung verlangst, halte dich von den Sinnesobjekten wie von Gift fern! Trinke täglich gierig den Nektar der Zufriedenheit, der Barmherzigkeit, der Vergebung, der Aufrichtigkeit, der Gelassenheit und der Selbstbeherrschung!

.

83

Der physische Körper ist von seiner Natur her ein Werkzeug des Absoluten. Wer ihn nicht ununterbrochen dazu benutzt, sich selber von den Fesseln der anfanglosen Unwissenheit zu befreien, sondern sich nur um dessen Befriedigung bemüht, zerstört sich selber.

.

84

Wer durch die Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse danach strebt, das Selbst zu erfahren, ähnelt einem, der den Fluss überquert und nach einem Krokodil greift, was er für ein Stück Holz hält.

.

85

Für einen Suchenden nach Befreiung ist die Verhaftung an den Körper, die Illusion, der Körper zu sein, der „große Tod“. Nur derjenige, der diese Verhaftung vollkommen überwunden hat, kann die Befreiung erreichen.

.

86

Überwinde den großen Tod, als Verhaftung an deinen Körper, an deine Frau, Kinder und Verwandte! Die großen Weisen, die diese Anhaftungen überwunden haben, erreichten das höchste Bewusstsein Gottes.

.

87

Der physische Körper, eine Anhäufung von Haut, Fleisch, Blut, Sehnen, Fett, Mark und Knochen voll von Urin und Kot, ist zu verachten.

.

88

Der physische Körper, entstanden aus den fünffach zusammengesetzten fünf grobstofflichen Elementen, in Übereinstimmung mit früheren Taten, dient dem Selbst als Stätte der Erfahrungen. In dem Wachzustand des Bewusstseins werden die grobstofflichen Objekte wahrgenommen.

.

89

Die individuelle Seele (Jiva), die in ihm verkörpert ist, erfreut sich durch dessen Sinnesorgane der Vielfalt der materiellen Objekte, wie Blumenkränze, Sandelholz, Frauen. Deshalb entfaltet sich der Körper im vollsten Umfang im Wachzustand.

.

90

Wisse, dass dieser physische Körper, von dem abhängt, wie die Eindrücke von der Außenwelt verarbeitet werden, so wie das Haus für seinen Bewohner ist.

.

91

Der physische Körper hat die Merkmale von Geburt, Alter und Tod, durchläuft verschiedene Entwicklungsstufen wie Kindheit, Körpergröße, Gewicht. Auf den Körper, welcher Krankheiten unterworfen ist, beziehen sich unzählige Vorschriften, und es ist der Körper, dem unterschiedlich begegnet wird, mal mit Wertschätzung und mal mit Verachtung.

.

92

Ohren, Haut, Augen, Nase und Zunge werden Sinnesorgane genannt, weil sie Sinnesobjekte wahrnehmen. Mund, Hände, Füße, Geschlechts- und Ausscheidungsorgane werden Handlungsorgane genannt, weil sie für Tätigkeiten gebraucht werden.

.

93

Das innere Instrument setzt sich zusammen aus einfachem Geist, Intellekt (Dhi, Buddhi), Ichbewusstsein (Ahankriti) und Gedächtnis (Chitta). Manas heißt Denken mit Vorstellungen, Willensimpulsen und Zweifeln. Buddhi ist intuitive Erkenntnis, weil sie das Merkmal hat, die Wahrheit zu finden.

.

94

Ahamkriti ist das Ich-Gefühl, die Identifikation mit dem Ich, weil es ich-bezogen ist. Chitta ist der Speicher von Gedanken und Gefühlen, hat die Fähigkeit, auf sich selbst zu reflektieren.

.

95

So wie Gold und Wasser verschiedene Formen annehmen können, genauso wird Prana, die ein und dieselbe Lebensenergie, je nach seiner Funktion und Modifikation zu Prana (Einatmen), Apana (Ausatmen), Vyana (Blutkreislauf), Udana (Kraft im Bereich von Hals und Kopf) und Samana (Kraft, welche die Ernährung und Verdauung steuert).

.

96

Der feinstoffliche Körper besteht aus 8 Teilen: 5 Handlungsorgane, wie Sprechen, 5 Wahrnehmungsorgane, wie das Gehör, 5 Pranas, 5 Elemente, wie Raum, die Psyche, wie Buddhi, die Unwissenheit, Begierden und Taten.

.

97

Höre nun gut zu! Dieser feinstoffliche Körper, der aus den Elementen vor ihrer fünffachen Teilung entstanden ist, wird Astralkörper genannt. Er wird geprägt von Anlagen, Neigungen und früheren Eindrücken (Vasana), er ist das Ergebnis von Handlungen aus der Vergangenheit (Karman). Er ist die anfangslose Begrenzung von Atman, und er hat seinen Ursprung in der Unwissenheit über das Selbst.

.

98

Der Traumzustand unterscheidet sich von dem Wachzustand, bei dem die Sinne wirken. Im Traumzustand leuchtet das Selbst aus sich selbst durch. Buddhi, der Verstand, verarbeitet die latenten Eindrücke vom Wachzustand und gibt sie im Traum wieder.

.

99

Während der Verstand in verschiedenen Rollen- wie zum Beispiel in der Rolle des Handelnden – erscheint,  ruht das Höchste Selbst in sich selbst. Atman, der reine Beobachter bleibt von Buddhi und dessen Handlungen – die durch die Begrenzungen entstanden sind – vollkommen unberührt.

.

100

So wie die Axt für den Zimmermann sein Werkzeug ist, womit er seine Arbeit durchführt, führt der feinstoffliche Körper seine Tätigkeiten als Werkzeug von Atman aus. Deshalb bleibt Atman völlig unberührt.

.

101

Eigenschaften wie Blindheit, Sehschwäche oder -schärfe sind die Folgen von Mangel oder Stärke der Augen. Ebenso sind Taubheit und Stummheit Eigenschaften der Ohren bzw. des Sprechorgans. Von diesen Merkmalen bleibt das Selbst unberührt.

.

102

Die Experten sagen, Einatmen, Ausatmen, Gähnen, Niesen, Absondern von Sekreten, Sterben usw. sind Tätigkeiten von Prana usw., während Hunger und Durst zwei wesentliche Eigenschaften der Lebensenergie sind.

.

103

Antahkarana, die Psyche drückt sich in den Sinnesorganen, wie z.B. in den Augen aus. Mit ihnen sich als ICH identifizierend existiert es im Körper als Reflexion des Selbst (Atman).

.

104

Wisse, dass es das EGO (Ahankara -das Ichbewußtsein) ist, das sich mit dem Körper identifiziert, als Substanz Erfahrungen sammelt und in Verbindung mit den Gunas 3 Zustände annimmt: den Wachzustand, den Traumzustand und den Tiefschlafzustand.

.

105

Wenn die Sinneserfahrungen angenehm sind, ist das Ego glücklich, anderenfalls ist es unglücklich. Glück und Unglück sind Zustände des Ego, nicht des ewig glücklichen Selbst.

.

106

Sinnesobjekte sind nur deshalb angenehm, weil Atman sich durch sie manifestiert. Sie sind nicht an sich angenehm, denn das Selbst ist – seiner Natur nach – das beliebteste von allen. Denn Atman, das wahre Selbst ist ewig glücklich. Niemals kann er Leid erfahren.

.

107

Im Tiefschlaf – in dem es keine Sinnesobjekte gibt – wird die Glückseligkeit von Atman erlebt. Das bezeugen die Schriften, die eigene Erfahrung, die Überlieferungen und die Logik.

.

108

Maya, die scheinbare Welt als die täuschende Kraft des Höchsten wird auch unmanifest, unwirklich, unoffenbart genannt. Sie ist in ihrem Wesen anfangslose Unwissenheit, sie besteht aus den drei Gunas, den drei Grundeigenschaften der Natur, sie ist jenseits von Raum und Zeit, und nur von den Weisen an ihren Wirkungen erkennbar. Durch sie wird das ganze sichtbare Universum erschaffen.

.

109

Von Maya kann man weder sagen, dass sie existiert, noch dass sie nicht existiert, noch dass beide Definitionen zugleich stimmen. Sie ist weder vielheitlich noch einheitlich, noch beides zugleich. Sie besteht weder aus Teilen noch ist sie ein ungeteiltes Ganzes, noch beides zugleich. Sie ist höchst wunderbar. Ihr Wesen ist unbeschreibbar.

.

110

Durch die Erkenntnis der reinen, nondualen absoluten Wirklichkeit kann Maya überwunden werden, so wie der Irrtum der Schlange zerstört werden kann durch das Erkennen des Seils. Die bekannten Grundeigenschaften (Guna) von Maya sind Rastlosigkeit (Rajas), Trägheit (Tamas) und Reinheit (Sattvam) – mit ihren entsprechenden Wirkungen.

.

111

Rajas hat als Merkmal die Kraft der Projektion und das Wesen der Rastlosigkeit. Aus dieser treibenden Kraft ist der Fluss der Aktivität entstanden, und aus ihr entspringt der ewige Wandel des Gemütes wie Leidenschaften, Kummer und Schmerz.

.

112

Begierde, Zorn, Gier, Heuchelei, Missgunst, Egoismus, Eifersucht und Neid sind die furchtbaren Eigenschaften von Rajas. Aus diesen entstehen die menschlichen Neigungen. Deshalb ist Rajas die Ursache der Anhaftung an das irdische Leben.

.

113

Tamas hat als Merkmal die Kraft der Verschleierung, wodurch die Wirklichkeit anders erscheint als sie ist. Diese Kraft fesselt den Menschen an den Kreislauf von Geburt und Tod und löst ihrerseits die Kraft der Projektion aus.

.

114

Auch wenn man noch so intelligent und gelehrt, geschickt und scharfsinnig in der Selbstbeobachtung ist und sich in den Schriften auskennt, erkennt man – solange man von Tamas eingehüllt ist – das Selbst nicht, sondern man hält in seiner Unwissenheit dasjenige für wahr, was als Trugbild auf das Selbst projiziert wird und identifiziert sich mit dessen Eigenschaften.

Ach! Wie machtvoll ist die große verschleiernde Kraft von Tamas!

.

115

Fehlurteile, falsche Einschätzung, mangelndes Verständnis und Verwirrtheit verlassen diejenigen nie und nimmer, die im Bann der verhüllenden Kraft von Tamas stehen, und dazu kommt noch, dass die zerstörerische Kraft der Projektion kein Ende nimmt.

.

116

Unwissenheit, Trägheit, Gleichgültigkeit, Schläfrigkeit, Nachlässigkeit, Dummheit sind die Eigenschaften von Tamas. Wer von diesen beherrscht wird, begreift nichts. Er ist wie im Schlaf, wie ein Stück Holz.

.

117

Makellose Reinheit (Sattva) ist klar wie Wasser, aber wenn sie mit Rajas und Tamas vermischt wird, führt sie zum Kreislauf von Geburt und Tod. Wenn sich das Licht des wahren Selbst in Sattva widerspiegelt, erleuchtet es die ganze physische Welt wie die Sonne.

.

118

Die Eigenschaften des vermischten Sattva sind Demut, die Yamas und Niyamas (Gebote und Verbote), Glaube , Hingabe (Bhakti), Sehnsucht nach Befreiung, göttliche Tugenden und Abkehr vom Unwirklichen.

.

119

Die Eigenschaften des unvermischten Sattva sind tiefer Frieden, die Wahrnehmung des Atman in uns, erhabenste Ruhe, Zufriedenheit, Heiterkeit des Gemüts und die Versenkung der Seele in das Höchste Selbst, wodurch der Suchende die dauerhafte höchste Glückseligkeit erfährt.

.

120

Die unmanifeste Hülle des Selbst wird Kausalkörper genannt. Er besteht aus der Kombination der drei Gunas. Er ist in dem Tiefschlaf erfahrbar, weil da die Tätigkeit aller zehn Sinne und des Verstandes (Buddhi) ruht.

.

121

Tiefschlaf ist der Zustand, in dem die Gesamtheit der geistig-seelischen Kräfte (Buddhi) wie Samen in latenter Form vorhanden ist, und wo alle Arten der Wahrnehmung und der Erkenntnis ruhen. Die allgemeine Feststellung in diesem Zustand ist: „Ich wusste von nichts.“

.

122

Der physische Körper, die Sinnesorgane, die Lebensenergien, das Denken, das Ichbewusstsein und alles, was sich verändert, Gefühle wie Wohlbefinden, die fünf Elemente wie Raum, das ganze Universum bis hinauf zum Unmanifesten – all das ist das Nicht-Selbst.

.

123

Von der ersten Modifikation der Urnatur bis zum grobstofflichen Körper ist alles Maya, bzw. ihre Auswirkung. Erkenne daher das Wesen dessen, was nicht das Selbst ist – dieses Nicht- Selbst – als unwirklich wie eine Fata Morgana in der Wüste.

.

124

Ich will dir jetzt die Wesensnatur des Höchsten Selbst (Paramatman) erklären. Wer sie erkennt, wird frei sein von Bindungen und erreicht die höchste Befreiung.

.

125

Es existiert Jemand, ein ewiges Etwas, in sich selbst Ruhendes, was unabhängig und ewig ist, das für sich besteht und die Grundlage des Ichbewusstseins ist. Es ist Zeuge der drei Bewusstseinszustände, und unberührt von den fünf Hüllen.

.

126

Dasjenige, das alles weiß, was im Wach-, Traum- und Tiefschlafzustand geschieht, das die An- und Abwesenheit des Verstands und seiner Funktionen kennt, ist die Essenz hinter dem  Ego. Das ist DAS.

.

127

Dasjenige, das selbst alles sieht, aber nicht gesehen werden kann. Das was Buddhi wahrnimmt, aber von ihr nicht wahrgenommen werden kann. Das ist das Selbst, die Höchste Wirklichkeit, das Absolute.

.

128

Von Dem das Universum durchdrungen wird, was aber selber nicht durchdrungen werden kann, das Leuchtende, dessen Wesen Licht ist und vom Universum widerspiegelt wird. Das ist DAS.

.

129

Durch dessen bloße Gegenwart der physische Körper, die Sinne, das Denken und die Intuition ihre Funktionen wie Werkzeuge durchführen.

.

130

Durch ES, dessen Wesensnatur das ewige Bewusstsein ist, werden alle Dinge- vom Ichgefühl bis zum grobstofflichen Körper, die Sinnesobjekte und Sinnesreize – wie ein Gegenstand, z.B. ein Krug – klar wahrgenommen.

.

131

Das ist das innerste Selbst , das Höchste Wesen , der uranfängliche Geist , der immerwährende, ungeteilte Freude genießt, das Ewige, Unveränderliche, das reine Bewusstsein, wodurch die Sinnesorgane wie Sprache und die Lebenskräfte belebt werden und tätig sind.

.

132

In diesem Körper, in der Reinheit der dem Menschen innewohnenden Göttlichkeit, in der Tiefe der Erkenntnis, in dem Raum des Unmanifesten leuchtet das strahlende Licht – wie die Sonne hoch am Himmel – mit seinem Glanz und erhellt die ganze Welt.

.

133

Der Beobachter, der sich stets ändernden Zustände der Gedanken und Gefühle und des Ego und der Vorgänge und Abläufe im Körper, Sinne und Lebenskräfte handelt nicht und ändert sich in keiner Weise, auch wenn ER deren Gestalt annimmt wie Feuer im glühenden Eisen.

.

134

Dieser Ewige wird nicht geboren, er stirbt nicht, er wird weder größer noch kleiner, er (ver)ändert sich nicht. Er ist ewig. Auch wenn sich der Körper auflöst, löst Er sich nicht auf, genauso wenig, wie sich der Raum auflöst, wenn der Krug zerbricht.

.

135

Paramatman, die höchste Wirklichkeit unterscheidet sich von Prakriti, der Urnatur, und deren Veränderungen. Sein Wesen ist reines Bewusstsein. Es ist das Absolute, manifestiert sich in der sichtbaren und unsichtbaren Welt, zeigt sich als die der Vorstellung des Ichs unterliegende Wesenheit im Wachzustand, Traumzustand und Tiefschlaf als der Zeuge von Buddhi.

.

136

Mit der Reinheit des Geistes und Klarheit des Denkens verwirkliche ohne Umschweife dein Selbst als das wahre Selbst, was du wirklich bist. Überquere den uferlosen Ozean von Samsara mit seinen Wellen von Geburt und Tod. Sei vollkommen verankert im Wesen des Absoluten (im Brahman), wie in deinem gegründeten Wesen.

.

137

Aus Unwissenheit identifiziert sich der Mensch, und hält sein Nicht-Selbst für sein wahres Selbst. Aus dieser falschen Identifikation entsteht Bindung, und das ist die Ursache des Geborenwerdens, des Todes und des Leidens des Individuums. In seiner Unwissenheit hält der Mensch den vergänglichen Körper für das Wirkliche, im Glauben, dieser sei das Selbst. Er nährt, hegt und pflegt ihn mit weltlichen Dingen und bindet sich dadurch wie eine Seidenraupe mit ihren Fäden (an sein irdisches Dasein) .

.

138

Der aus Unwissenheit getäuschte Mensch hält ein Phänomen für etwas, was es nicht ist. Aus mangelndem Unterscheidungsvermögen verwechselt er eine Schlange mit einem Seil. Durch diese falsche Wahrnehmung entstehen irrtümliche Wege. Höre zu mein Freund: Bindung entsteht, wenn man an dem Nichtselbst festhält (sich damit identifiziert).

.

139

So wie Rahu die Sonne verdeckt, so verschleiert die tamasige Kraft der Unwissenheit das leuchtende Selbst (Atman) von endloser Herrlichkeit, das ungeteilte, ewige, nonduale Bewusstsein.

.

140

Wenn das makellos reine, lichtvolle Wahre Selbst verschleiert ist, meint der Mensch in seiner Verblendung: „Ich bin der vergängliche Körper.“ Dann bindet die rajasige Kraft der Projektion den Menschen gnadenlos mit den Fesseln der Emotionen, wie Lust und Ärger.

.

141

Wer die Selbsterkenntnis durch den verblendeten Geist – wie von einem Krokodil verschluckt – verloren hat, projiziert die verschiedenen Zustände des Geistes auf das Selbst, weil er fälschlicherweise meint, das Selbst habe die Eigenschaften. Dieser Tor treibt im uferlosen Ozean von Samsara – in der Giftflut der Sinnesobjekte – umher. Mal versinkt er im Meer, mal taucht er auf. Was für ein erbärmliches Schicksal!

.

142

So wie die Wolken, die durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen entstehen und – wenn sie die Sonne verdecken –  sichtbar werden, genauso zeigt sich das aus dem Selbst entstandene Ego und wenn es sich entfaltet, verhüllt es die wahre Natur des Selbst.

.

143

Wie an einem trüben Tag, wenn dichte Wolken die Sonne verdecken und kalte Stürme die Wolken hin- und hertreiben, so geht es dem Menschen, der durch die Verblendung der Unwissenheit mit einer starken Kraft der Projektion das Selbst verfinstern lässt.

.

144

Durch die Kraft der Verhüllung und Projektion entsteht Bindung. Es verschleiert das Wissen und der Mensch identifiziert den Körper mit dem Selbst und irrt von Leben zu Leben.

.

145

Samsara, der Kreislauf der Wiedergeburt, das Rad des wiederholten Erdenlebens ist wie ein Baum: die Unwissenheit ist dessen Same, die Vorstellung, der Körper sei das Selbst entspricht dem Keimling, Begierden sind die Knospen, Taten das Wasser, der Körper ist der Stamm, die Lebenskräfte bilden die Äste, die Sinne die Zweige und die Sinnesobjekte die Blüten. Vielfaches Leid – entstanden aus karmischen Taten – ist die Frucht. Jiva, die (individuelle) Seele ist wie der Vogel auf dem Baum, der die Frucht isst.

.

146

Die Bindung an den Kreislauf von Geburt und Tod wurzelt in der Unwissenheit. Ihre Ursache ist die Identifikation mit dem Nicht-Selbst. Sie ist ohne Beginn und ohne Ende. Diese Bindung stürzt die Seele in eine endlose Reihe von Leiden, wie Geburt und Tod, Krankheit und Alter.

.

147

Diese Bindung kann weder durch Wurf- noch durch Hieb- und Stichwaffen, noch durch Wind, noch durch Feuer, noch durch unzählige Taten gelöst werden, sondern nur einzig alleine durch das groß(artige) Schwert  der Erkenntnis der Unterscheidung, das von Gottes süßer Gnade geschärft worden ist.

.

148

Wer sich mit großer Hingabe auf die Schriften ausrichtet und fest verankert nach seiner Berufung lebt – und all dies zur Reinheit seines Geistes führt – kann durch die Reinheit des Geistes das Höchste erkennen und es verwirklichen. Nur dadurch ist es möglich, Samsara an seinen Wurzeln zu zerstören.

.

149

Verdeckt von den fünf Hüllen, wie von der Nahrungshülle, – die alle durch die Kraft des Höchsten Selbst entstanden sind – ist das Höchste Selbst nicht sichtbar, wie das Wasser im Teich nicht sichtbar ist, wenn es von Algen bedeckt ist.

.

150

Wenn man die Algen entfernt, wird das Wasser kristallklar, löscht sofort den quälenden Durst und verleiht dem Menschen höchstes Glück.

.

151

Entfernt man gleicherweise die fünf Hüllen, wird das reine Höchste Selbst sichtbar, das dem Wesen nach ewig glückselig ist, im Innersten wohnt, und aus sich selbst leuchtet.

.

152

Um sich von der Bindung zu befreien, muss der Weise zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst unterscheiden. Erst dann wird er glücklich, wenn er erkennt, das Selbst zu sein, absolutes Sein, Wissen und Glückseligkeit.

.

153

Wer das innerste, nicht handelnde Selbst – welches frei von Anhaftung ist – von allen Sinnesobjekten trennt, wie man einen Schilfhalm von einem Munja Gras trennt, wer alles in diesem Selbst auflöst und im Selbst ruht, der ist befreit.

.

154

Dieser Körper entsteht aus Nahrung und bildet die grobstoffliche Nahrungshülle. Von Nahrung lebt er, ohne Nahrung stirbt er. Er ist eine Anhäufung von mehreren Schichten Haut, Fleisch, Blut, Knochen und Kot. Dieser Körper kann an sich niemals das ewig-reine Selbst sein.

.

155

Vor der Geburt und nach dem Tod existiert er nicht. Er ist nur einen Augenblick da. Seine Eigenschaften sind wechselhaft und dem Wesen nach unbeständig. Er besteht aus Teilen, hat kein Bewusstsein und wird wie irgendein Objekt, zum Beispiel ein Krug, wahrgenommen. Wie könnte der Körper das wahre Selbst, der Zeuge des Wandels aller Erscheinungen sein?

.

156

Der Körper hat Hände, Füße usw. Er kann nicht Atman, die Seele sein, da die Seele auch ohne Glieder lebt und ihre Allmacht dadurch nicht beeinträchtigt wird. Der Körper ist der Gelenkte und nicht der Lenker.

.

157

Es versteht sich von selbst, dass die Seele (Atman) als Absolute Wirklichkeit vom Körper verschieden ist. Sie ist ja Zeuge der jeweiligen Eigenschaften, Aktivitäten und Zustände des Körpers.

.

158

Dieser Körper ist eine Ansammlung von Knochen, überzogen mit Fleisch, voller Abfallprodukte, und extrem unrein. Wie könnte er selber der Allwissende sein, der von ihm völlig verschieden ist?

.

159

Der Tor identifiziert sich mit dieser Ansammlung von Haut, Fleisch, Fett, Knochen und Kot. Wer aber prüfend überlegt, erkennt sein eigenes wahres Wesen – verschieden vom Körper – als die Höchste Wirklichkeit.

.

160

Nur der Unwissende meint, er sei der Körper. Der Gelehrte denkt, er sei Körper und Seele (Jiva). Der Erkennende, der spirituell Hochentwickelte – der zwischen Vergänglichem und Ewigen unterscheidet – weiß: „Brahma aham“, ich bin Brahman, die Absolute Wirklichkeit.

.

161

Hör auf, du Törichter, dich als Anhäufung von Haut, Fleisch, Fett, Knochen und Kot zu betrachten! Erkenne dich als die Weltseele von allem, eine nonduale absolute Wirklichkeit! Erfahre den Höchsten Frieden!

.

162

Auch wenn einer noch so bewandert in der Philosophie des Vedanta ist, solange er die falsche Identifikation mit dem Körper, mit den Sinnesorganen usw. nicht aufgibt, erlangt er die Befreiung nicht.

.

163

So wie dir niemals in den Sinn käme, dich für den Schatten des Körpers oder für das Spiegelbild des Körpers, oder für den Körper im Traum oder in Gedanken zu halten, so darfst du dich auch nicht mit dem lebenden Körper identifizieren.

.

164

Für Menschen, die ihren Sinn auf das Vergängliche richten, ist der Gedanke, der Körper sei das Selbst, der Samen ihres Leidens, woraus der Stiel der Geburt, Krankheit, Alter und Tod entsteht. Deshalb musst du diesen Gedanken mit allen Mitteln im Keim ersticken. Sobald der Geist sich von der Identifikation loslöst, ist keine Wiedergeburt mehr zu erwarten.

.

165

Die Lebensenergie verbunden mit den fünf Handlungsvermögen bildet die Vitalhülle. Sie durchdringt die Nahrungshülle und führt alle Aktivitäten des Körpers durch.

.

166

Auch die Vitalhülle kann nicht das Selbst sein, denn sie ist eine Umwandlung des Luftelementes. Das Element Luft füllt und verlässt den Körper, kennt weder Leid noch Freude noch andere Regungen. Es ist in ständiger Abhängigkeit.

.

167

Die emotionale Hülle oder Geisthülle besteht aus den fünf Wahrnehmungsvermögen und aus dem Geist. Sie ist die Ursache für den Ichsinn und die Empfindung von „mein“ und der Geteiltheit der Dinge. Äußerst machtvoll erschafft sie die unterschiedliche Wahrnehmung der Formen und Farben. Sie durchdringt die Energiehülle.

.

168

Die Gesithülle hält die Welt der Erscheinungen aufrecht. Sie ist wie das Opferfeuer, das von den fünf Opferpriestern, das heißt, von den fünf Sinnesorganen aufgeschichtet wird. Genährt vom Brennholz – den vielen Wünschen und Neigungen  und vom Herabtropfen zerlassener Butter – den Sinnesobjekten – brennt und lodert sie hell auf.

.

169

Unabhängig vom Geist gibt es keine Unwissenheit. Der Geist an sich ist die Unwissenheit, und das ist die Ursache für die Anhaftung an der relativen Wirklichkeit. Wenn er zerstört wird, ist alles andere zerstört, wenn er sich manifestiert, manifestiert sich alles andere.

.

170

Im Traumzustand, wo der Kontakt zur Außenwelt fehlt, schafft der Geist aus eigener Bemühung das ganze Universum, bestehend aus der Erfahrung und dem Erfahrenden. Genauso ist es auch im Wachzustand. Es gibt keinen Unterschied. Die ganze Welt ist eine Projektion des Geistes.

.

171

Im Tiefschlaf kehrt der Geist zu seinem Kausalzustand zurück und es gibt keine Wahrnehmung. Deshalb ist die relative Wirklichkeit nur eine Einbildung des Geistes und existiert gar nicht.

.

172

Wolken werden vom Wind zusammengetrieben und vom Wind wieder zerstreut. Gebundensein wird von Manas geschaffen und die Befreiung wird auch durch dasselbe erlangt.

.

173

Der Geist schafft Verlangen nach mancherlei Sinnesgenüssen im Körper und in Gedanken. Es bindet den Menschen wie ein Tier mit einem Strick. Später erzeugt es eine Abneigung gegen die selben Sinnesobjekte, als ob sie Gift wären, und befreit so den Menschen von der Bindung.

.

174

Deshalb ist der Geist die Ursache für das Schicksal des Menschen, sowohl für die Bindung als auch für die Befreiung. Ist er von Leidenschaft (Rajas) geprägt, entsteht Bindung. Rein und frei von Rajas und Tamas, ist der Weg offen zur Befreiung.

.

175

Wenn Viveka und Vairagya vorherrschen, wird der Geist rein und ist vorbereitet für die Befreiung. Deshalb müssen im Menschen, wenn er nach Befreiung strebt und Verstand besitzt, vor allem diese zwei Eigenschaften gestärkt werden.

.

176

Im Urwald der Sinnesfreuden streift ein großer Tiger namens Geist umher. Ernsthafte Aspiranten mit tiefem Wunsch nach Befreiung gehen dort nicht hin.

.

177

Es ist der Geist, der für den Erfahrenden – sowohl im grobstofflichen als auch im feinstofflichen Körper – stets Sinnesobjekte produziert, und bringt fortwährend Verschiedenheiten der Körper, der Kasten, der Lebensabschnitte hervor, welche alle die Resultate der Eigenschaften (Guna), und der Ursache und Wirkung der Taten sind.

.

178

Das unbeteiligte, unabhängige ewig reine Bewusstsein ist die Essenz der Seele. Sie wird jedoch vom Geist verblendet und mit den Fesseln von Körper, Sinnesorganen und Prana angehaftet. Durch die Vorstellung von „ich und mein“ treibt er sie andauernd zu neuen Erfahrungen, die dann zu neuen Früchten der Taten werden.

.

179

Die falsche Identifikation, die durch die Verblendung und Bindung des Geistes hervorgerufen wird, impliziert den Kreislauf von Geburt und Tod. Für denjenigen, der durch Rajas und Tamas verhaftet ist und dem die Fähigkeit zur Unterscheidung fehlt, ist das die Ursache von Geburt, Krankheit, Alter und Tod.

.

180

Deshalb nennen die Weisen, die Kenner der Wahrheit den Geist „avidya“, unwissend, durch welchen das Universum wie Wolken vom Wind bewegt wird.

.

181

Deshalb sollte sich derjenige, der nach Befreiung strebt, bemühen, seinen Geist unablässig zu reinigen. Ist der Geist bereinigt, ist die Befreiung erreichbar, wie eine Frucht in der Hand liegend greifbar ist.

.

182

Wer seinen einzigen Gedanken auf die Befreiung richtet und das Verlangen nach Sinnesfreuden auslöscht, wer auf die Früchte aller seinen Taten verzichtet, wer an die Höchste Wahrheit glaubt, mit Hingabe der Lehre zuhört, nachdenkt und meditiert, der befreit sich von der rastlosen Natur des Geistes.

.

183

Auch die emotionale Hülle, Geisthülle kann nicht das Höchste Selbst sein, denn die Geisthülle hat einen Anfang und ein Ende, ist Veränderungen unterworfen, wird von Leid und Freude geprägt, wird als Objekt wahrgenommen. Der Seher kann aber nicht als sichtbares Objekt gesehen werden.

.

184

Vijnanamayakosha, die intellektuelle Hülle, die Hülle der Erkenntnis wird von Intellekt geformt und arbeitet mit den Wahrnehmungsorganen. Sie tritt als „Handelnder“ in Erscheinung und ist für den Menschen die Ursache für den Kreislauf von Geburt und Tod.

.

185

Das Licht des Höchsten Bewusstseins widerspiegelt sich in der Erkenntnishülle. Diese Hülle ist eine Umwandlung der Urmaterie. Sie hat die Funktion der Erkenntnis und des Handelns und identifiziert sich als „ich“ mit dem grobstofflichen Körper und mit dessen Sinnen.

.

186

Hinter dem „Ich“ steht die verkörperte individuelle Seele (Jiva). Sie ist ohne Anfang, vollbringt alle Taten auf der relativen Ebene. Gemäß früherer Eindrücke und Neigungen (Vasana) führt sie gute oder schlechte Handlungen durch, und trägt deren Folgen.

.

187

Sie durchläuft verschiedene Geburten, kommt und geht, hinauf und hinab. Der Erkenntnishülle gehören die Erfahrungen durch Lust und Schmerz an, welche im Wach-, Traum- und anderen Zuständen gemacht werden.

.

188

Die Erkenntnishülle identifiziert sich mit den Eigenschaften des Körpers, wie z.B. mit seinen Lebensabschnitten, Pflichten und Handlungen, als ob sie alle zu ihr gehören würden. Wegen ihrer unmittelbaren Nähe zum Höchsten Selbst leuchtet sie strahlend hell, bleibt jedoch nur ein Spiegelbild des Selbst. Wer diese Begrenzung nicht erkennt und der Täuschung unterliegt, wandert weiterhin von einem Dasein zum anderen.

.

189

Atman, der Selbstleuchtende ist in die eingrenzende Hülle der Erkenntnishülle eingeschlossen, und wird in den Pranaströmen und im Herzen (der Seele) offenbar. Obwohl es ewig unveränderlich ist, erscheint es wegen des begrenzenden Attributs als der Handelnde und der Erfahrende.

.

190

Obwohl der Atman das wahre Selbst ist, nimmt er durch die falsche Identifikation mit dem Geist die Begrenztheit des Intellektes an und betrachtet sich selbst als getrennt, so wie man Töpfe als vom Lehm verschieden ansieht.

.

191

Obwohl die Höchste Wirklichkeit ihrer wahren Wesensnatur nach vollkommen und ewig unveränderlich ist und über allem steht, verbindet sie sich mit den begrenzten Attributen und nimmt somit deren Eigenschaften und Merkmale an, wie das Feuer die Gestalt des glühenden Eisens annimmt, ohne dabei sein Wesen zu verlieren.

.

192

Der Schüler spricht: „Das Höchste Selbst erfährt sich durch die Überlagerungen der Attribute als begrenzte Einzelseele – da die Begrenzung jedoch keinen Anfang hat, ist das, was anfanglos ist, auch endlos …“

.

193

“ … Da das Höchste Selbst sich als begrenzte Einzelseele erfährt, kann auch der ewige Kreislauf von Geburt und Tod nicht enden. Sag mir, oh verehrter Meister, wie ist dann eine Befreiung davon überhaupt möglich?“

.

194

Der hochverehrte Meister spricht: „Oh du Weiser, du hast die richtige Frage gestellt. Höre nun aufmerksam zu. Vorstellungen, welche dem täuschenden Irrtum entspringen, sind nicht endgültig und können nicht als Beweis akzeptiert werden.“

.

195

Die Höchste Wirklichkeit, die verhaftungslos, nicht handelnd und formlos ist, kann eine Verbindung mit den Objekten der Welt nur durch Täuschung aufnehmen, so wie das Himmelsblau keine echte Verbindung mit dem Himmel hat.

.

196

Der Beobachter – der frei von Eigenschaften ist und nicht handelt, dessen Wesen inneres Wissen und Glückseligkeit ist – erfährt sich durch die Täuschung als begrenztes Individuum. Diese ist nicht wirklich. Wenn die Täuschung aufhört, existiert sie nicht mehr, weil sie ihrem Wesen nach unwirklich ist.

.

197

Solange die Unwissenheit da ist, existiert die begrenzte Einzelseele. Sie ist durch Irrtum und Verblendung entstanden. Solange die Unwissenheit anhält, erscheint das Seil als Schlange. Wird Unwissenheit erkannt , existiert die Schlange nicht mehr. Genauso verhält es sich mit der Einzelseele.

.

198

Die Unwissenheit hat keinen Anfang und auch nicht ihre Folge. Wenn aber Erkenntnis in Erscheinung tritt, werden die Unwissenheit und ihre Folgen – auch wenn sie ohne Anfang sind – wie Wurzeln und Trieb zerstört.

.

199

Die Welt der Erscheinungen ist nicht ewig. Obgleich sie keinen Anfang hat, ist sie nicht ewig. Wenn Erkenntnis da ist, löst sie sich im Nichts auf, so wie der Traum beim Erwachen.

.

200

Obwohl sie anfangslos ist, ist zu beobachten, dass die „vorherige Nicht-Existenz“ ein Ende hat. Genauso ist der verkörperte Zustand, von dem geglaubt wird, dass er im Selbst vorkommt, nicht real, da er sich offensichtlich identifiziert mit den begrenzten Attributen des Intellekts.

201

Das andere, das Selbst, ist vollkommen unterschiedlich vom verkörperten Zustand. Die Verbindung zwischen dem Selbst (Atman) und dem Intellekt (Buddhi) entsteht durch das „falsche Wissen“.

.

202

Das falsche Wissen wird aufhören zu funktionieren, wenn sich das echte Wissen entwickelt. Wahre Erkenntnis bedeutet nach den Schriften die Erfahrung der Einheit von Brahman und Atman.

.

203

Diese Erkenntnis kann nur durch vollkommene Unterscheidung zwischen dem Selbst und Nicht- Selbst erlangt werden. Das ist der Grund, warum wir danach streben müssen, zwischen der verkörperten Individualseele und dem wahren Selbst zu unterscheiden.

.

204

Wie das schmutzigste Wasser rein und durchsichtig wird, wenn der Schlamm entfernt wird, genauso leuchtet das innerste Selbst (Atman) klar, wenn es frei von Unreinheiten ist.

.

205

Wenn das Unwirkliche aufhört zu existieren, kann das innere Selbst (Atman) als das Höchste Selbst verwirklicht werden. Deshalb muss das Unwirkliche wie das Ego vom wahren Selbst vollkommen ferngehalten werden.

.

206

Die Wissenshülle kann aus folgenden Gründen nicht das Höchste Selbst sein: sie ist dem Wandel unterworfen, sie ist an sich ohne Intelligenz, sie ist begrenzt, sie ist Gegenstand der Wahrnehmung, sie ist unbeständig.

.

207

Die Wonnehülle, Hülle der Glückseligkeit ist die Modifikation der Unwissenheit, die auftaucht als Reflexion der Glückseligkeit des Selbst. Freude etc. sind ihre Eigenschaften. Sie offenbart sich den Reinen als Früchte ihrer guten Taten als reine Glückseligkeit. Im Tiefschlaf ist sie für einen jeden auch ohne Anstrengung erfahrbar.

.

208

Die Wonnehülle manifestiert sich im Zustand des Tiefschlafs völlig. In den Zuständen von Traum und Wachheit ist sie abhängig vom Anblick von Objekten, nach denen Verlangen besteht.

.

209

Die Wonnehülle kann nicht das Höchste Selbst sein, weil sie Eigenschaften hat, die sich ständig ändern. Sie ist eine Abwandlung der Urnatur, eine Folge vergangener guten Taten und sie liegt eingebettet in die anderen Hüllen, die selbst alle Modifikationen sind.

.

210

Wenn man durch Nachdenken über die Schriften (Veden) – die zeitlose Offenbarungen sind – alle fünf Körperhüllen verwirft, dann bleibt unter Ausschluss dieser Hüllen am Ende der ewige Zeuge als Absolutes Wissen .

.

211

Das Höchste Selbst (Atman) leuchtet aus sich selbst. Es unterscheidet sich von den fünf Hüllen. Es ist Zeuge der drei Bewusstseinszustände, es ist reines Sein, unveränderlich, makellos rein , immerwährend. Der Weise muss erkennen, dass das Höchste sein wahres Selbst ist.

.

212

Der Schüler fragt: „Wenn ich diese fünf Körperhüllen als unwirklich verwerfe, finde ich nun nichts als eine Abwesenheit von allem, was vorher real war. Oh verehrter Lehrer, durch welches Objekt sollte dann der Kenner des Selbst das Selbst erkennen?

.

213

Der erhabene Meister spricht: „Wahr  hast du gesprochen, du Gelehrsamer. Geschickt bist du in der Methode der Unterscheidung! Derjenige, der all die Umwandlungen (der Urnatur) wie das Ego usw. wahrnimmt, sowie deren Abwesenheit …

.

214

… Von dem all diese Dinge wahrgenommen werden, der aber selbst nicht wahrgenommen wird, diesen erkenne durch die allersubtilste Einsicht als das Selbst, den Zeugen.

.

215

Wenn auch immer etwas von jemandem wahrgenommen wird, muss es davon ein beobachtendes Prinzip geben. Wenn etwas von niemanden wahrgenommen wird, kann von Beobachtung nicht die Rede sein.

.

216

Das Selbst ist sein eigener Zeuge, da es nur durch sich selbst wahrgenommen wird. Daher ist das Selbst selbst das höchste Brahman und nichts anderes.

.

217

Derjenige, der im Wachen, im Traum und im Tiefschlaf klar als Bewusstsein in Erscheinung tritt, der Eine, der ewig im Inneren als das Ich , die Gedanken und Gefühle mit ihren verschiedenen Formen und Veränderungen sieht, der sich immerdar als Glückseligkeit und Bewusstsein offenbart: den erkenne als das Selbst (Atman) in dem Herzen!

.

218

So wie ein Tor, der die Reflexion der Sonne sieht, die sich im Wasser eines Eimers spiegelt, und es für die Sonne hält, hält der verblendete Unwissende die Wiederspiegelung seines Bewusstseins – die in seinem Intellekt als „Ich“ erscheint – für das wahre Selbst.

.

219

Der Weise wendet sich von dem Gefäß, vom Wasser und vom Widerschein der Sonne im Wasser ab und sieht die wirkliche Sonne, die über allem steht, diese drei erhellt und aus sich selbst leuchtet, klar und deutlich.

.

220

Ebenso wenn man den Körper, das Intellekt und die Reflexion des Bewusstseins darin beiseite lässt, erkennt man vollständig das eigene wahre Wesen, den in der Intuition, im Herzen versteckten Seher, das Selbst, das ungeteilte Bewusstsein, das alles erleuchtet. Es unterscheidet sich vom Sichtbaren und vom Unsichtbaren, ewig, allmächtig, allgegenwärtig, alles durchdringend und sehr subtil. Es hat weder Innenraum noch Äußeres und ist identisch mit der Höchsten Wirklichkeit (Brahman).

.

221

Es ist ewig, allmächtig, allgegenwärtig, alles durchdringend und sehr subtil. Es hat weder Innenraum noch Äußeres und ist identisch mit der Höchsten Wirklichkeit (Brahman). Wenn man diese wahre Natur von sich selbst vollständig realisiert, wird man frei von Sünde und Leidenschaft, unsterblich …

.

222

Man wird frei von Kummer, reine Glückseligkeit, weise, und fürchtet sich selbst vor nichts und niemanden. Für den Sucher nach Befreiung gibt es keinen anderen Weg, sich von den Fesseln der Wiedergeburt zu lösen, als die Verwirklichung der Wahrheit des eigenen Selbst.

.

223

Die Erkenntnis, dass das eigene Selbst mit der Absoluten Wirklichkeit (Brahman) wesensgleich ist, bildet die Ursache für die Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburt. Dadurch verwirklicht der Weise die nichtduale Einheit, die Höchste Glückseligkeit, die Absolute Wahrheit.

.

224

Der die Selbstverwirklichung erreicht hat, kehrt nie wieder in den Kreislauf der Wiedergeburten zurück. Deshalb muss man danach streben, die eigene Übereinstimmung mit Brahman zu erkennen.

.

225

Brahman, die unendliche Absolute Wirklichkeit ist Wahrheit und Erkenntnis, rein, erhaben, in sich vollendet, ihrem wahren Wesen nach ewige Glückseligkeit, identisch mit dem eigenen wahren Selbst, ewig siegreich.

.

226

Diese Höchste All-Einheit ist die einzige Realität, denn es gibt nichts anderes, als das eigene Selbst. Es gibt wahrlich nichts anderes, wenn man die Realität der Höchsten Wirklichkeit erkennt.

.

227

Dieses ganze Universum, das wir aufgrund unserer Unwissenheit als aus verschiedensten Formen bestehend wahrnehmen, ist in der Wirklichkeit Brahman, und es ist frei von allen Beschränkungen des Denkens.

.

228

Ein Krug, der aus Ton besteht, ist nichts anderes als Ton, weil er seiner Natur nach nur Ton ist. Der ganze Krug besteht nur aus Ton. Warum ihn also Krug nennen? Es ist einfach ein ausgedachter Name.

.

229

Niemand kann ernsthaft denken, dass die wahre Natur des Kruges verschieden vom Lehm ist. Daher ist der Krug (als Name) aus Unwissenheit ausgedacht. Lehm allein ist die Wahrheit, die Höchste Wirklichkeit.

.

230

Ebenso ist das ganze Universum in all seinen Erscheinungen, alles was existiert, eine Wirkung der Höchsten, Absoluten Wirklichkeit, es ist Brahman selber und nicht verschieden von ihm. Wer behauptet, es gäbe einen Unterschied zwischen den beiden, ist in Unwissenheit, ist immer noch verblendet, als ob er im Schlaf sprechen würde.

.

231

„Wahrlich, dieses ganze Universum ist Brahman“ – dies ist die Aussage des Atharva Veda. Daher ist das Universum nichts (anderes) als Brahman. Es gibt keine Verschiedenheit des Übertragenen von seiner Grundlage.

.

232

Wenn das Universum, so wie es ist, wahr ist und das Selbst (Atman) wäre nicht unendlich, so wären die Schriften falsch, und auch das Wort Gottes wäre unwahr. Für erleuchtete Seelen sind diese 3 Behauptungen falsch und undenkbar.

.

233

Gott, der die Wahrheit aller Dinge kennt, hat ausdrücklich gesagt: „Ich wohne nicht in ihnen, und sie wohnen nicht in mir.“

.

234

Wenn das Universum real wäre, müsste es auch im Tiefschlaf wahrgenommen werden. Da im Tiefschlaf aber gar nichts wahrgenommen wird, ist es unwirklich und unwahr wie ein Traum.

.

235

Deshalb existiert das Universum nicht getrennt vom Höchsten (Paramatman). Die Wahrnehmung von ihrer Getrenntheit ist so falsch wie das Erscheinungsbild eines Seils als Schlange. Kann eine Erscheinung eine eigene Existenz haben neben seiner eigenen Substanz? Durch Verblendung erscheint es so, als sei die Grundlage selbst, die so als Überlagerung erscheint.

.

236

Was auch immer ein Unwissender irrtümlicherweise wahrnimmt, ist nichts anderes als die Absolute Wirklichkeit (Brahman). Was man als Silberglanz sieht, ist nichts anderes als nur die innere Schalenschicht einer Perlmuschel. Brahman offenbart sich als dieses Universum. Was der absoluten Wirklichkeit fälschlicherweise zugeschrieben wird, sind nur Namen.

.

237

Daher, was immer sich offenbart, ist die Höchste Wirklichkeit, Brahman selbst. In sich selbst existierend, nondual, rein, die Essenz vom absoluten Wissen, makellos, höchster Friede, ohne Anfang und Ende, jenseits aller Tätigkeit, dem Wesen nach die Essenz ununterbrochener Glückseligkeit.

.

238

Das höchste Brahman ist ewig, überwindet alle Unterscheidungen, die durch Maya gebildet werden, es ist die Essenz ewiger Freude, unteilbar, formlos, unmessbar, nichtmanifest, namenlos, unvergänglich und aus sich selbst strahlend.

.

239

Die Weisen haben Einsicht in die Höchste Wahrheit, wo es keine Unterscheidungen gibt zwischen dem Erkennenden, dem Erkannten und dem Erkennen. Die Höchste Wahrheit ist unendlich, jenseits aller Vorstellungen, nichts als absolutes, ungeteiltes Bewusstsein.

.

240

Das was nicht weggeworfen oder aufgenommen werden kann, das was jenseits aller Beschränkungen von Geist und Sprache liegt, was jenseits der Grenzen und unmessbar ist, was ohne Anfang und Ende ist, vollständig und eines Menschen ganz eigenes Selbst, was überstrahlende Pracht ist, das ist Brahman.

.

241

Mit der Aussage „Tat Tvam asi“ lehrt der Veda  die vollständige Einheit der reinen Absoluten Wirklichkeit (Brahman) und dem reinen Selbst (Atman), ausgedrückt durch die beiden Worte Tat „das“ und Tvam „du“.

.

242

Dabei ist die Einheit der beiden sinngemäß jedoch nicht wörtlich zu verstehen. Denn es sind voneinander entgegengesetzte Merkmale – wie die Sonne und das Glühwürmchen, der König und der Diener, der Ozean und der Brunnen, der Berg Meru und ein Atom.

.

243

Der Gegensatz zwischen den beiden ist durch die begrenzenden Attribute entstanden, ist jedoch nicht real. Die Maya ist ein begrenzendes Attribut des Herrn und die Ursache für den Intellekt usw.; die fünf Hüllen sind eine Auswirkung der Maya und – höre – ihrerseits begrenzende Attribute der Individualseele.

.

244

Diese beiden sind die begrenzenden Eigenschaften Gottes und der verkörperten individuellen Seele (Jiva). Aber wenn sie komplett eliminiert werden, da ist weder Gott noch individuelle Seele. Das Königreich ist das Symbol eines Königs und ein Schild des Soldaten. Wenn diese weggenommen werden, gibt es weder König, noch Soldat.

.

245

Mit den Worten der Schriften „Nicht dies Nicht das“ wird die eingebildete Dualität in Bezug auf das Absolute verworfen. Unterstützt durch die Autorität der Schriften ist es nötig, durch Erkennen diese beiden Überlagerungen aufzulösen.

.

246

Weder dies (das Ganze) noch das (das Subtile) ist das Selbst. Sowie die Schlange als Seil oder wie Träume für wahr gehalten werden, sind sie nicht real, sondern nur das Ergebnis unserer Vorstellungskraft. Durch die völlige Entfernung der objektiven Welt durch logisches Denken ist es zu erkennen, dass Gott und die individuelle Seele identisch sind.

.

247

Um die vollkommene Einheit des Absoluten und das individualisierten Selbst zu verstehen, muss man die implizierten Wortbedeutungen von „Tat“ und „Tvam“ heranziehen. Hierzu genügen nicht die beiden Jahati Lakshana und Ajahati Lakshana genannten Arten der implizierten Bedeutung, sondern diese müssen in einer dritten, beide einschließenden Art zur Anwendung kommen.

.

248

Mit den Worten „Jener Devadatta ist dieser hier“ wird die Identität der beiden ausgedrückt, indem man den Teil der Eigenschaften, die einander widersprechen, weglässt. Genauso erkennen die Weisen im vedischen Schlüsselsatz „Das bist Du/Tat Tvam asi“ , wenn die sich widersprechenden Eigenschaften von „das“ (Tat) und „du“ (Tvam) weggelassen werden – die Untrennbarkeit von Absoluter Wirklichkeit und Einzelseele.

.

249

Der Weise sollte sich widersprechende Grundbegriffe auf beiden Seiten aufgeben und die wahre Identität Gottes und des individuellen Selbst erkennen, dabei sorgfältig vermerken, dass die Essenz von beiden unbegrenztes, reines Bewusstsein ist. Daher beschreiben Hunderte von großartigen vedischen Aussagen die Einheit von Brahman und Atman (Brahmatman).

.

250

Weise anhand der Aussage „Die Absolute Wirklichkeit ist nicht grobstofflich..“ das Unwirkliche zurück und erkenne das, was in sich selbstvollendet und unbeschreibbar wie der Raum ist. Lass dieses Phänomen „Körper“ los, den du bisher wahrgenommen und mit dem du dich als dein eigenes Selbst identifizierst hast – es ist nur eine Illusion! Verwirkliche mit gereinigtem Verstand das eigene, vollkommen erleuchtete Selbst, was Absolutes Wissen ist und erkenne: „Ich bin Brahman“ (Brahma aham).

.

251

Alle Formen, die aus Lehm gemacht werden, wie zum Beispiel Tontöpfe, werden vom Geist als real akzeptiert, sind aber in Wirklichkeit nur Lehm. So ist auch das gesamte Universum , welches aus Brahman entstammt, Brahman alleine und nichts anderes als Brahman, die Selbst-existierende Realität und das ureigene, essentielle Selbst eines Menschen. Deshalb bist du das „Tat Tvam asi“ – die friedvolle, reine, höchste, nicht-duale absolute Wirklichkeit, Brahman.

.

252

So wie alles, was im Traum erscheint – Orte, Zeit, Dinge und der Erkennende – unwirklich ist, genauso unwirklich ist auch die Welt im Wachzustand, indem sie aus Unwissenheit über das Selbst entsteht. So sind diese Welt und auch der Körper, die Sinnesorgane, die Lebenskräfte und das Ich unwirklich. Deshalb bist du das „Tat Tvam asi“ – die friedvolle, reine, höchste , nicht-duale absolute Wirklichkeit, Brahman.

.

253

Was man sich auch immer aus Unwissenheit vorstellt, das ist – wenn es richtig erkannt wird – einzig und alleine die absolute Wirklichkeit, nicht getrennt von Ihr. Die bunte Traumwelt entsteht und vergeht mit dem Traum. Erscheint es denn beim Erwachen als sei sie getrennt vom eigenen Verstand?

.

254

Das was jenseits von Herkunft, Religion, Familie und Abstammung, frei von Namen, Formen, Verdienst oder Mangel ist, jenseits von Raum, Zeit und Sinnesobjekten ist – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

255

Das was das Höchste jenseits aller Worte ist, was nur das reine Auge der Erkenntnis schaut, das völlig reine Bewusstsein, die anfangslose Existenz – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

256

Das was von den sechs Arten des Leidens unberührt bleibt, worüber die Yogis in ihrem Inneren meditieren, was durch die Sinnesorgane nicht erfasst werden kann, das was der Intellekt  nicht erkennen kann, was von makelloser Vortrefflichkeit ist – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

257

Das was der aus Unwissenheit entstandenen Welt und ihren Elementen zugrunde liegt, was in sich selbst gegründet, was vom Sichtbaren und Unsichtbaren verschieden ist, was keine Teile hat, was unvergleichlich ist – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

258

Das was frei von Geburt, Wachstum, Veränderung, Verfall, Krankheit und Tod ist, unveränderlich, die Ursache des Entstehens, Erhaltens und Vergehens des Universums – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

259

Das was ohne Vielfalt ist, was seine wahre Natur nie verliert, reglos ist wie der Ozean ohne Wellengang, ewig frei, von ungeteiltem Wesen – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

260

Das was als die eine Wirklichkeit die Ursache für das Viele ist, was durch keine andere Ursache verursacht ist, verschieden von Ursache und Wirkung, aus sich selbst existierend – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

261

Das was unvorstellbar, unbegrenzt, unvergänglich ist, verschieden vom Vergänglichen und Unvergänglichen, das Allerhöchste, Ewige, was immerdar glückselig und makellos rein ist – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

262

Das was als eine Wahrheit, die aus Unwissenheit vielfach erscheint, was sich in Namen, Formen und Eigenschaften ändert, selber aber ewig unveränderlich ist wie Gold – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

263

Das was jenseits vom Nichts  ist, was jenseits vom Jenseits ist, das innerste Selbst von allem , das eine einzige Essenz hat, was unaufhörlich Sein, Wissen Glückseligkeit ist – das ist Brahman, die absolute Wirklichkeit. „Tat Tvam asi“ das bist du. Meditiere darüber im Geist!

.

264

Jeder soll selber im Geist über die Wahrheit dieser Unterweisungen – die in den vergangenen Versen der Schriften dargelegt worden sind – meditieren. Dadurch offenbart sich ihm die Wahrheit, frei von Zweifeln und Bedenken, klar wie Wasser auf der Hand.

.

265

Erkenne dich als reines Bewusstsein, als reine Wahrheit, so wie man in der Menge oder im Heer den König erkennt! Halte dich an diese Erkenntnis, halte dich fest gegründet in deinem inneren Selbst, dann verschmilzt das objektive Universum mit Brahman.

.

266

Brahman, die höchste, wahre, non-duale Wirklichkeit – verschieden vom Sichtbaren und Unsichtbaren – liegt in der Tiefe in der Höhle von Buddhi. Für denjenigen, der in dieser Höhle als Brahman lebt, gibt es keine Wiedergeburt.

.

267

Selbst, wenn man die Wirklichkeit versteht, bleibt ein machtvoller, tiefer Resteindruck zurück, dass einer derjenige ist, der etwas tut und der andere, der sich über etwas freut, welches der Grund für Wiedergeburt ist. Diese Sichtweise muss mit großer Anstrengung ausgerottet werden, indem man den Blick nach innen wendet und in einem konstanten Zustand der Verschmelzung mit dem wahren Selbst lebt. Die Auslöschung der äußeren Identifikation wird von den Weisen Befreiung genannt.

.

268

Die Vorstellung vom Ich – man sei der Körper und die Sinnesorgane – ist eine falsche Identifikation und muss von dem Weisen, der in seinem wahren Selbst ruht, abgelegt werden.

.

269

Um dein inneres Selbst zu verstehen, als ein Zeuge deines Intellekts und seinen Abwandlungen und bei immerwährender Aufrechthaltung des Gedankens „Dies bin ich“ , besiege deine Identifikation mit dem Nicht-Selbst (Anatman).

.

270

Kümmere dich nicht um die gesellschaftlichen Konventionen, hör auf, immer an deinen Körper zu denken! Lass es nicht beim Studium der Schriften bewenden! Beseitige die Projektionen auf das Selbst!

.

271

Weil die Menschen nach weltlichen Dingen streben, dogmatisch an den Schriften hängen und dem Körper verhaftet sind, können sie die Wahrheit nicht erkennen.

.

272

„Für den, der sich aus den Fesseln des Geburtenkreislaufes befreien will, sind diese drei starken Neigungen wie eiserne Fesseln an den Füssen“ – sagen die Weisen. Ein Mensch, der davon frei ist, wird mit Sicherheit Befreiung erlangen.

.

273

Der betörende Duft des Adlerholzes wird durch den schlechten Geruch verunreinigt, der vom faulen Wasser herrührt. Sobald man den fremden Geruch vertrieben hat, duftet das Holz wieder frisch und rein.

.

274

Der Duft des Höchsten Selbst – wie der Duft vom roten Sandelholz – wird durch die Unreinheiten endloser, unabsehbarer Eindrücke, die im Geist haften, verdorben. Wenn er durch Erkenntnis vollständig geläutert und wieder rein ist, wird er wie der Sandelholzduft klar erkannt.

.

275

Die Erkenntnis des Selbst wird durch zahllose Wünsche nach dem Nicht-Selbst verschleiert. Wenn die Wünsche durch ständiges Verweilen im Selbst überwunden sind, leuchtet Erkenntnis klar und rein aus sich selbst.

.

276

Je mehr sich der Geist nach innen wendet, desto mehr löst er sich von den äußeren Eindrücken. Wer von diesen Eindrücken restlos befreit ist, verwirklicht unbehindert das Selbst.

.

277

Ein Yogi, der fortwährend im innersten Selbst verweilt, wird ganz still. Dann verschwinden alle Eindrücke und Wünsche. Daher übe gewissenhaft und löse die Projektionen auf das Selbst auf!

.

278

Trägheit (Tamas) wird durch Rastlosigkeit (Rajas) und Reinheit (Sattva) überwunden. Rastlosigkeit (Rajas) durch Reinheit, Reinheit durch das reine Bewusstsein. Daher sei in der Reinheit fest gegründet und beseitige die Projektionen auf das Selbst!

.

279

Wisse mit Sicherheit: dein Prarabdha Karma wird deinen Körper für dieses Dasein am Leben erhalten! Bleib beständig, ausdauernd und entschlossen um die Projektionen auf das Selbst  aufzulösen!

.

280

„Ich bin nicht die begrenzte Einzelseele (Jiva), sondern die höchste absolute Wirklichkeit„ – mit diesem Gedanken eliminiere alles, was Nicht-Selbst ist und beseitige die Projektionen auf das Selbst, die durch die Macht deiner vergangenen Wünsche entstanden sind.

.

281

Durch das Studium der Schriften, durch Nachdenken und durch eigene Erfahrung erkenne, dass dein wahres Selbst das Selbst von allem  ist. Beseitige die irgendwann aus Trugbildern entstandenen Projektionen auf das Selbst!

.

282

Der Selbstverwirklichte kümmert sich nicht um das Annehmen oder Spenden von Speise – für ihn gibt es kein Tun. Daher beseitige durch fortwährende Versunkenheit im Brahman die Projektionen auf das Selbst!

.

283

Durch die großartige Aussage im Veda „Das bist Du“ (Tat Tvam asi) entsteht das Wissen um die Einheit der Seele mit der Absoluten Wirklichkeit. Bleibe mit diesem Wissen fest in der Wahrheit, dass die Seele in der absoluten Wirklichkeit ruht und beseitige die Projektionen auf das Selbst!

.

284

Beseitige mit wachsamem und konzentriertem Geist die Projektionen auf das Selbst, bis die Identifikation mit dem Körper restlos überwunden ist!

.

285

Beseitige beharrlich – o Weiser – die Projektionen auf das Selbst, solange bis die begrenzte Einzelseelen und Welten wie im Traum wahrgenommen werden!

.

286

Weder im Schlaf noch in Gedanken an weltliche Dinge oder an Sinnesobjekten dich verlierend, vergiss keinen Augenblick das Höchste Selbst! Gedenke stets über Atman in Atman.

.

287

Halte weiten Abstand – wie von einem Ausgestoßenen – vom Körper, der aus Fleisch und Blut der Eltern entstanden ist, eine Anhäufung unreiner Substanzen. Erfahre Gott, die absolute Wirklichkeit! Das ist das Ziel und die Vollendung deines Lebens.

.

288

Löse das begrenzte Ich – durch ununterbrochene Meditation über deine wahre Identität – auf und verschmelze mit dem Höchsten Selbst, wie der in einem Glas eingeschlossene Raum sich mit dem unendlichen Raum verschmilzt, wenn das Glas zerbricht. Verharre stets in dem Frieden des Selbst, oh Weiser!

.

289

Erfahre dich als Brahman, das aus sich selbst heraus leuchtet, als die einzige Grundlage. Löse dich von dem Makrokosmos und von dem Mikrokosmos, wie von zwei unreinen Gefäßen.

.

290

Verlagere die Ich- Vorstellung vom Körper auf das Höchste Bewusstsein, das wahre Selbst, dessen Wesen Sein und Glückseligkeit ist. Wende dich vom feinstofflichen Körper ab, verweile in dem Wahren Selbst.

.

291

Die absolute Wirklichkeit (Brahman), worin diese Welt wie eine Stadt im Spiegel als Illusion erscheint, das bist du. Wenn du das erkannt hast, hast du die Vollkommenheit erreicht.

.

292

Wenn du deine wahre Natur, die wirkliche Essenz deines Wesens erfahren hast, das nonduale absolute Wissen und Glückseligkeit, jenseits aller Formen und Tätigkeiten, kannst du aufhören, dich mit dem falschen Körper zu identifizieren, wie der Schauspieler seine Maske ablegt.

.

293

Die Welt ist ihrem ganzen Wesen nach eine Täuschung. Und auch das Ego ist unwirklich, weil es vergänglich ist. Wie kann dann das kleine vergängliche Ich auf den Gedanken kommen, es wisse alles?

.

294

Das wirkliche Ich ist hingegen Zeuge des Egos, und ist immer da. Es existiert auch im Tiefschlaf. Es ist ungeboren und ewig, wie die Schriften sagen. Es ist das innerste Selbst, das sich von der relativen Wirklichkeit  und Unwirklichkeit unterscheidet.

.

295

Der unbeteiligte Beobachter als ewiger Zeuge aller Veränderungen in allen Dingen, die dem Prozess der Veränderung unterworfen sind, ist zweifellos unveränderlich und ewig. Die Unwirklichkeit des Sichtbaren und Unsichtbaren wird in der Fantasie, in den Träumen und im Tiefschlaf des Einzelnen immer wieder klar erkannt.

.

296

Daher gib die Identifikation mit dem grobstofflichen Körper, mit dem Ego und mit dem feinstofflichen Körper auf, die alle nur Vorstellungen des Geistes sind. Wenn du verstehst, dass dein wahres Selbst absolutes Bewusstsein ist, das von den drei Zeiten nicht berührt werden kann, erreichst du den höchsten Frieden.

.

297

Gib die Identifikation mit Familie, Herkunft, Name, äußerem Aussehen und gesellschaftlicher Stellung auf. All dies sind Attribute des grobstofflichen Körpers und gehören so zu einem lebenden Leichnam. Löse dich von der Idee, der Handelnde und Erkennende zu sein. Dies sind Eigenschaften des feinstofflichen Körpers. Verstehe deine wahre Natur als absolute Seligkeit!

.

298

Es gibt auch noch andere Hindernisse, die das Individuum an den Kreislauf von Leben und Tod (Samsara) binden. Die Wurzel aller dieser Bindungen ist das Ego.

.

299

Solange für jemanden Bindung an dieses abscheuliche, widerwärtige Ego vorhanden ist, kann auf keinen Fall die Rede von Befreiung sein. Letztere ist in ihrer Natur völlig verschieden vom dem vorher erwähnten.

.

300

Befreit von den Fesseln des Ego, so wie der Mond befreit wird von der Dunkelheit der Mondfinsternis, erlangt der Mensch seine wahre Natur. Er wird vollendet, ewig glückselig und strahlt aus sich heraus.

.

301

Die Identifikation mit dem Ich ist ein Produkt von Buddhi. Es entstand aus der Verblendung der Unwissenheit. Im menschlichen Körper wird es als „Das bin ich“ wahrgenommen. Wenn diese Verblendung der Ich-Identifikation völlig aufgelöst wird, erfährt das Selbst die vollkommene Verschmelzung mit Brahman, mit der absoluten Wirklichkeit.

.

302

Das Ich-Gefühl umschlingt den Schatz der absoluten Glückseligkeit wie eine mächtige schreckliche Schlange mit ihren drei furchterregenden Köpfen, den drei Grundeigenschaften der Natur (Guna) und bewahrt ihn zum eigenen Nutzen. Der Weise spaltet die drei Köpfe und tötet die Schlange mit dem großen leuchtenden Schwert der Erkenntnis in Übereinstimmung mit den Lehren der Schriften. Dann erst kann er diesen glückverheißenden Schatz genießen.

.

303

Wie kann man auf eine vollständige Genesung hoffen, solange auch nur eine Spur von Gift im Körper zurückbleibt? Ebenso kann der Yogi keine Befreiung erreichen, solange eine Spur von Ichgefühl vorhanden ist.

.

304

Wenn das Ichgefühl vollständig verschwunden ist, und die verschiedenen damit verbundenen Vorstellungen zerstört sind, findet man durch Erkenntnis des innersten Wesens zu Wahrheit: „Das bin ich.“

.

305

Gib die Identifikation des Ichs mit dem Handelnden unverzüglich auf. Diese Denkweise, als eine schwache Reflexion der Seele – beraubt dich der Verankerung im Selbst. Als Folge der Verwechslung des begrenzten Ichs mit dem Selbst widerfährt dir das wiederholte Erdenleben, eine verkörperte Existenz voll von Leid von Geburt, Alter und Tod – obwohl du im Wesentlichen der Zeuge bist, die Essenz von Wissen- Glückseligkeit- Absolut.

.

306

Einzig und alleine durch Verwechslung des Ichs mit dem Selbst unterliegst du dem Kreislauf von Geburt und Tod – oh Du, der unveränderlich, ewig, allgegenwärtig, von unbefleckter Herrlichkeit, absolutes Wissen, absolute Glückseligkeit und alldurchdringendes höchstes Bewusstsein bist.

.

307

Daher, mit dem großen/scharfen Schwert der Erkenntnis zerstöre das Ichgefühl – deinen Feind, der einem Dorn im Hals des Essenden gleicht. Genieße in vollen Zügen die Glückseligkeit im Königreich des Selbst.

.

308

Die Aktivitäten des Ego vor Augen haltend gib alle Anhaftungen an das Ich durch die Erfahrung der Höchsten Wirklichkeit auf. Durch die Selbstverwirklichung befreie dich von der Dualität, verweile in der Stille, in der absoluten Wirklichkeit (Brahman). Denn du hast jetzt dein unendliches Selbst erkannt.

.

309

Auch wenn man das Ego mit den Wurzeln herausgerissen hat, kann es in dem Moment wieder entstehen, wenn der Geist es ihm erlaubt. Dann entsteht durch die Hunderten von Ablenkungen Unheil, wie eine Wolke, die in der Regenzeit vom Wind getrieben wird.

.

310

Überwinde den Feind, das Ego! Gib ihm keine Chance dadurch, dass Du an Sinnesobjekte denkst! Denn das ist die Ursache der Widerbelebung des Ego, so wie Wasser einen vertrockneten Zitronenbaum wiederbelebt.

.

311

Wer sich mit dem Körper identifiziert, ist gierig nach Sinnesfreuden. Wie könnte aber jemand, der frei von der Identifikation ist, gierig sein? Der ständige Gedanke an Sinnesobjekte ist die Ursache für das Festhalten an Dualität und Bindung an den Kreislauf von Geburt und Tod.

.

312

Wenn sich die Wirkungen entfalten, kann man beobachten, dass auch die Samen gedeihen. Wenn die Wirkungen wegfallen, werden auch die Samen wegfallen. Darum muss die Wirkung kultiviert werden.

.

313

Wenn sich die Anlagen und Triebe entfalten, entwickeln sich die Wirkungen. Und wenn sich die Wirkungen entfalten, entwickeln sich stets auch die Anlagen und Triebe. So hört für den Menschen der Kreislauf von Geburt und Tod nie auf.

.

314

Um die Kette der Wiedergeburten zu sprengen, muss der spirituelle Aspirant beide – Anlagen und Triebe sowie deren Wirkungen – vollständig verbrennen. Denn bei Sinnesobjekten zu verweilen und selbstsüchtig zu handeln, führt zur Zunahme von Vasanas oder Wünschen.

.

315

Genährt von diesen zwei – Gedanken an Sinnesobjekte und ichbezogene Handlung – bewirken die Vasanas weiter die Wiedergeburt. Das einzige Mittel, um diese drei – Anlage und Triebe, Gedanken an Sinnesobjekte und ichbezogene Handlung – zu zerstören, ist, indem man alles – unter allen Umständen, immerdar …

.

316

… überall, bei jeder Gelegenheit – einzig und allein als die absolute Wirklichkeit sieht. Durch die Stärkung des Verlangens mit Brahman eins zu sein, werden diese drei vernichtet.

.

317

Wenn das ichbezogene Handeln aufhört, hört das Grübeln über Sinnesobjekte auf, gefolgt von der Zerstörung von Vasanas. Die endgültige Zerstörung von Vasanas ist Befreiung. Dies wird als zu Lebzeiten befreit genannt.

.

318

Wenn die Sehnsucht mit Brahman eins zu sein lebhaft zum Ausdruck gekommen ist, werden die egozentrischen Vasanas ohne weiteres verschwinden – so wie die tiefste Finsternis im strahlenden Schein der aufgehenden Sonne vollständig verschwindet.

.

319

Dunkelheit und ihre Wirkungen als Unheil verlieren beim Aufgehen der Sonne ihre Bedeutung. Ebenso gibt es in der Erfahrung der nondualen Glückseligkeit und Freude keine Bindung und keine Spur von Leid mehr.

.

320

Löse die außen und innen wahrgenommene Welt vollständig auf! Meditiere mit gesammeltem Geist über das reine Selbst, die reine Glückseligkeit! Verbringe damit deine Zeit, solange noch eine karmische Bindung besteht.

.

321

Sei niemals nachlässig im Verweilen im Brahman! Santakumara, der Sohn des Schöpfergotttes Brahma, bezeichnete Nachlässigkeit als den Tod.

.

322

Für den Weisen gibt es keine größere Gefahr, als Nachlässigkeit bzgl. seiner wahren Natur. Daraus entsteht Täuschung, aus Täuschung entsteht Egoismus, aus Egoismus entsteht Anhaftung, und aus Anhaftung entsteht Leiden.

.

323

So wie eine Frau ihren Liebhaber verwirrt, so vergisst auch ein Weiser – durch seinen manipulierten Geist an Sinnesobjekten haftend – das Wesentliche.

.

324

So wie die Algen, – wenn sie auseinander gezogen werden – keinen Augenblick so bleiben, sondern sich wieder schließen und das Wasser zudecken, genauso verhüllt Maya auch jenen das Bewusstsein, die sich vom Selbst abwenden – sogar das eines Weisen.

.

325

Wenn der Geist  – nach außen gewandt- auch nur ein bisschen vom Ziel, im Brahman zu verweilen, abweicht, fällt es aus Verblendung immer weiter hinunter, so wie ein Spielball von Stufe zu Stufe die Treppe hinunterfällt.

.

326

Wenn der Geist sich den Sinnesobjekten zuwendet, denkt er über ihre Eigenschaften nach. Aus dem ständigen Nachdenken entstehen Wünsche. Aus Wünschen entsteht der Drang, sie zu erfüllen.

.

327

Dadurch wird die wahre Natur vernachlässigt . Die Person, die sich von seiner wahren Natur entfernt hat, fällt immer tiefer. Der Gefallene scheitert und wird sich selten erneut erheben.

.

328

Deshalb meide das Wünschen und Begehren, die Ursache allen Übels – so wie ein von einer Krankheit geplagter Mensch unzuträgliche Nahrungsmittel verschmäht.

.

329

Daher gibt es für denjenigen, der die absolute Wirklichkeit kennt, keinen schlimmeren Tod als die Unachtsamkeit in der Meditation. Wer mit gesammeltem Geist meditiert, erreicht höchste Vollendung. Sei konzentriert auf Brahman ausgerichtet.

.

330

Derjenige, der zu Lebzeiten vollständig in der Einheit etabliert ist, verbleibt auch in dem Zustand der Einheit, wenn sich der Körper aufgelöst hat. Der Yajur Veda sagt, dass derjenige, der auch noch den kleinsten Unterschied wahrnimmt, Angst hat.

.

331

Wann immer der spirituelle Aspirant nur den geringsten Unterschied in der absoluten Wirklichkeit wahrnimmt, wird das, was als Unterschied durch Irrtum wahrgenommen wird, sofort zur Quelle der Angst für ihn.

.

332

Derjenige, der sein Selbst mit den äußerlich wahrnehmbaren Objekten identifiziert – obwohl es in Hunderten von Schriften und anderen philosophischen Schriften als Nicht- Selbst beschrieben wird – dem wird wie einem Dieb, der Verbotenes tut, Leid über Leid zuteil.

.

333

Derjenige der in der Wahrheit vollkommen verankert ist, wird frei von Unwissenheit und geht in die ewige Herrlichkeit des Selbst ein. Aber derjenige, der beim Unwirklichen verweilt, geht zu Grunde. Das das so ist, wird deutlich in der Geschichte über denjenigen, der kein Dieb ist und denjenigen, der ein Dieb ist.

.

334

Der spirituelle Aspirant muss aufhören im Unwirklichen – das Anhaftung verursacht – zu verweilen. Er soll stets standhaft bleiben mit seinen Gedanken auf das Selbst gerichtet. „Das bin ich selbst.“  Denn das Erkennen der Verbindung zwischen der eigenen Identität mit Brahman schenkt durch Unerschütterlichkeit Glückseligkeit und entfernt das aus Unwissenheit entstandene Leid vollständig, das als Folge der Unwissenheit entstand.

.

335

Stetes Nachdenken über äußere Objekte wird nur seine Früchte in Form von schlechten Neigungen verstärken und verschlimmern. In Anbetracht dessen sollte der spirituelle Aspirant stets in der Meditation über das Selbst versinken und durch Unterscheidung die Gedanken an äußere Objekte erkennen und sich davon abwenden.

.

336

Wenn die Außenwelt ausgeschlossen wird, wird der Geist ruhig und in der Stille des Geistes enthüllt sich die Schau des Höchsten Selbst. Wenn das Höchste Selbst vollkommen verwirklicht wird, reißt die Kette der Wiedergeburten ab. Daher ist der Ausschluss der Außenwelt der erste Schritt auf dem Weg zur Befreiung.

.

337

Welcher geschulte Geist würde kindisch hinter dem Unwirklichen herlaufen – das mit Sicherheit die Ursache seines Verderbens wird – wenn er zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen unterscheiden kann, wenn er als Bewanderter in den Schriften die Höchste Wirklichkeit im Auge hat, einsichtig ist und sich nach Befreiung sehnt?

.

338

Wer am Körper und Geist haftet, für den gibt es keine Befreiung. Für den Befreiten gibt es keine Identifikation mit Körper und Geist. Derjenige, der schläft, ist nicht wach, und derjenige, der wach ist, träumt nicht – da diese zwei Zustände gegensätzlicher Natur sind.

.

339

Nur derjenige ist befreit, der – mit dem Auge der Erkenntnis – sowohl innen wie außen, in allem was sich bewegt und nicht bewegt, das Selbst als Grundlage sieht, wer alle Begrenzungen überwunden hat, und in dem absoluten und unendlichen Selbst verweilt.

.

340

In der Erkenntnis, dass alles das Selbst ist, liegt der Schlüssel zur Freiheit von Bindung. Es gibt nichts Höheres als zu erkennen, dass alles das Selbst ist. Wenn man die Welt loslässt und stets im Selbst lebt, erkennt man: „Alles ist das Selbst“.

.

341

Wie kann jemand die Welt loslassen, der sich mit dem Körper identifiziert, dessen Geist an dem Genuss der Sinnesobjekte hängt, und sich so in den Aktivitäten verliert? Die Weisen, die Seher der Wahrheit, die ewige Glückseligkeit im Selbst, die allen Pflichten, Taten und Sinnesobjekten entsagen und sich mit unerschütterlichem Glaube und Hingabe dem Ewigen Selbst zuwenden, müssen fest entschlossen die Welt loslassen.

.

342

Der Sannyasin, der der Anweisung des Meisters gefolgt und den Schriften zugehört hat, wird von den Schriften durch die Anleitungen zur Gedankenstille, Selbstbeherrschung in den Zustand von Samadhi geführt – und erkennt im Selbst verweilend: „Alles ist das Selbst“ .

.

343

Sogar die Weisen können nicht ihr Ego, wenn es einmal machtvoll geworden ist, auf Anhieb vollständig überwinden – außer diejenigen, die in der nondualen Absorption vollkommen still geworden sind. Denn Gedankenimpulse und Neigungen beruhen auf endlosen Wiedergeburten.

.

344

Die Kraft der Projektion – durch den in die Irre führenden Gedanken an ein ICH, verbunden mit der Macht der Verhüllung – lenkt den Menschen von seinem wahren Selbst ab.

.

345

Es ist sehr schwer die Kraft der Projektion zu überwinden, wenn die Kraft der Verhüllung nicht restlos überwunden wird. Wenn man klar zwischen Seher und Gesehenem unterscheidet, so wie man Wasser von Milch unterscheidet, verschwindet die Verhüllung, die das Selbst verdeckt, ganz von selbst. Wenn der Geist nicht weiterhin in falschen Sinnesobjekten verstrickt ist, wird das Selbst frei von allen Hindernissen und der Sieg ist ohne Zweifel erlangt.

.

346

Die vollkommene Unterscheidung, die aus direkter Erkenntnis hervorgeht, unterscheidet die wahre Natur des Sehers vom Gesehenen und zerreißt die Fesseln der Täuschung, die durch Maya hervorgerufen worden. Für denjenigen, der davon befreit ist, gibt es keine Seelenwanderung mehr.

.

347

Das Feuer der wahren Erkenntnis von der Einheit der Höchsten Wirklichkeit mit der Einzelseele verbrennt den Dschungel der Unwissenheit zu Asche. Wie könnte es für den, der den Zustand der Einheit erreicht hat, noch Grund zur Wiedergeburt geben?

.

348

Der Schleier, der die Wahrheit verdeckt, wird aufgehoben, wenn die Wirklichkeit vollständig erkannt wird. Bald darauf folgt die Zerstörung des illusiorischen Wissens und das Ende des Leidens, das durch falsche Projektion entstanden ist.

.

349

Seher, Gesehenes und das Sehen – diese drei – werden erkannt, wenn man die wahre Natur des Seils richtig sieht. Deshalb muss der Weise, um sich von Bindungen zu befreien, die Dinge in ihrer wahren Natur erkennen.

.

350

So wie sich Eisen im Kontakt mit Feuer als Feuer offenbart, so offenbart sich das Gemüt im Kontakt mit dem Absoluten als Subjekt und Objekt. Diese Dualität wird als unwirklich betrachtet wie etwas, was im Wahn, Traum oder in der Fantasie gesehen wird.

.

351

Genauso unwahr sind die Transformationen von Prakriti – vom Ego bis zum grobstofflichen Körper, mit all seinen Sinnesobjekten. Sie sind unwirklich, weil sie sich ständig verändern. Aber das Selbst (Atman) verändert sich nie.

.

352

Das Höchste Selbst ist ewiges, nonduales, ungeteiltes, reines Bewusstsein. Es ist Zeuge des Intellekts, anders als das Grob- und Feinstoffliche. Es ist das, was mit dem Wort und der Vorstellung „Ich“ bezeichnet wird. Es ist das innerste Selbst und die Verkörperung der ewigen Wonne.

.

353

In dem der Weise zwischen dem Wirklichen und Unwirklichen unterscheidet, die Wahrheit durch Erkenntnis seines Wissens ergreift, erkennt er das eigene Selbst, als ungeteiltes, allumfassendes Wissen und erlangt Befreiung und inneren Frieden.

.

354

Wenn das nichtduale Selbst den Zustand von Nirvikalpa Samadhi verwirklicht hat, löst sich der Knoten der Unwissenheit im Herzen restlos auf.

.

355

Das Höchste Selbst ist eigenschaftslos und nicht-dual. „Ich“, „Du“, „Es“ – diese Konzepte entstehen aus der Unvollkommenheit des Verstandes. Wenn die wahre Natur Brahmans in Samadhi erkannt wird, lösen sich all diese Konzepte auf.

.

356

Der Suchende erfährt sein Selbst als das Selbst von Allem, wenn er ruhig, mit Selbstkontrolle, zurückgezogen von den Sinnesobjekten und standhaft in Geduld einpünktige Versenkung übt. Mit diesen Mitteln zerstört er alle Phantasien, die aus der Dunkelheit der Unwissenheit heraus entstanden sind, und lebt glückselig als Brahman, frei von egozentrischen Handlungen und allen Fantasien.

.

357

Allein diejenigen sind frei von den Fesseln des Geburtenkreislauf, die die einpünktige Vertiefung erreicht haben, diejenigen, die die objektive Welt, die Sinnesorgane, den Geist, ja eben das Ego im Selbst als reines Bewusstsein auflösen – und nicht diejenigen, die lediglich über ihr indirektes Wissen plappern.

.

358

Durch Vereinigung mit den vielen konditionierenden Attributen ist der Mensch geneigt zu denken, das Selbst sei voller Vielfalt, aber indem er diese Attribute entfernt, gelingt er zu seinem eigenen unveränderlichen Selbst. Daher lasse den Weisen sich hingebungsvoll seiner Übung von Nirvikalpa Samadhi widmen, bis die Prägungen aufgelöst werden.

.

359

Wer sich mit unentwegter Hingabe dem Wahren Sein hingibt, verwirklicht das wahre Sein – genauso, wie eine Schabe, die unentwegt an eine Wespe denkt, selbst die Gestalt der Wespe annimmt.

.

360

So wie die Schabe, die alle anderen Aktivitäten aufgibt und konzentriert an die Schlupfwespe denkt (und schließlich selbst zu einer solchen wird), so tritt auch ein Yogi – der über die Wirklichkeit des Höchsten Selbst meditiert – durch einpünktige Hingabe zu Ihm ins Absolute ein.

.

361

Die wahre Natur des Höchsten Selbst ist extrem subtil und kann vom ungeschliffenen Blick eines nach außen richteten Geistes nicht wahrgenommen werden. Es ist nur den Edlen mit sehr reinem Intellekt durch Samadhi -herbeigeführt durch einen außerordentlich subtilen Geist – zugänglich.

.

362

So wie Gold durch das Erhitzen im Feuer seine Fremdstoffe verliert und seinen eigenen Glanz gewinnt, so verliert auch der Geist durch Meditation seine Verunreinigungen, namentlich Sattva, Rajas und Tamas, und erreicht die Natur von Brahman.

.

363

So gereinigt durch ständige Praxis, wenn der Geist in Brahman aufgeht, geht Samadhi vom Savikalpa zum Nirvikalpa Zustand über und führt direkt dazu, die Wonne von Brahman, die Nicht-Dualität, zu erfahren.

.

364

In Samadhi werden die “Knoten” aller verbliebenen Eindrücke zerstört. Alle Handlungen finden ein Ende. Seine Wahre Natur offenbart sich spontan und mühelos, ewig, überall und ständig, im innen wie im außen.

.

365

Über die reine Wahrheit nachzudenken ist hundertmal besser als das zuhören. Hunderttausendmal besser als Nachdenken aber ist die tiefe Meditation. Aber der Wert von Nirvikalpa Samadhi ist allen weit überlegen.

.

366

Durch Nirvikalpa Samadhi wird die wahre Natur von Brahman klar und eindeutig erkannt, sonst niemals, da der unstetige Geist dazu neigt, die Wahrheit mit anderen Konzepten zu vermischen.

.

367

Daher wird die Dunkelheit der anfanglosen Unwissenheit zerstört durch einen ruhigen Geist und beherrschte Sinne, immer konzentriert auf das innerste Selbst und indem man seine Identität mit jener Wirklichkeit erkennt.

.

368

Als erste Stufe auf dem Weg des Yoga gilt Kontrolle der Sprache, Nicht-Anhäufung von Besitz, Freisein von Erwartungen, Wunschlosigkeit und Leben in der Abgeschiedenheit.

.

369

Das Leben in der Abgeschiedenheit ist hilfreich, um die Sinnesorgane zu beherrschen, Kontrolle der Sinne dient der Kontrolle des Geistes, und durch die Geisteskontrolle wird das Ego aufgelöst. Dies führt den Yogi zu immerwährender Erfahrung der Wonne von Brahman, des Absoluten und Unendlichen. Daher soll der Weise immer unablässig danach streben, den Geist zu beruhigen und in der Stille des Geistes verweilen.

.

370

Beschränke die Sprache im Geist und beschränke den Geist im Intellekt, und wiederum, beschränke den Beobachter des Intellekts und vereinige auch das in das unendliche Absolute Selbst und erreiche Höchsten Frieden.

.

371

Die Körper, Pranas, Sinnesorgane, Geist, Intellekt, etc., mit welchem dieser konditionierenden Attribute auch immer der Geist sich verbindet, gleichsam wird auch der Yogi in selbiges verwandelt.

.

372

Der Weise erreicht vollkommenen Stillstand und es wird gesehen, wie er in der ewigen Erfahrung von (Da)Sein und Wonne versunken ist, wenn der Geist vollständig von allem gelöst ist.

.

373

Nur ein losgelöster Mensch ist geeignet für diesen inneren und äußeren Verzicht, da nur ein leidenschaftsloser Mensch, der den Wunsch nach Befreiung hegt, bereit ist, sowohl innere als auch äußere Verhaftungen aufzugeben.

.

374

Nur ein leidenschaftsloser Mensch, der völlig in Brahman ruht, kann äußere Verhaftungen an Objekte und innere Verhaftungen an das Ego, etc. aufgeben.

.

375

Begreife, du Weiser, dass Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen in einem Aspiranten wie die zwei Flügel eines Vogels sind: niemand kann, ohne beide Flügel zu benutzen, nur mit einem von beiden zur Turmspitze des Palasts der Befreiung empor fliegen.

.

376

Vollständige Losgelöstheit führt zu Samadhi, Samadhi führt zur dauerhafter Selbstverwirklichung, Selbstverwirklichung führt zur Freiheit von Bindungen, Freiheit von Bindungen führt zur ewiger Glückseligkeit.

.

377

Für den, dessen Gemüt beherrscht ist, sehe ich nichts, was größeres Glück brächte, als Losgelöstheit. Wenn das verbunden ist mit einer klaren Erkenntnis des Selbst, dann führt das zu absoluter Herrschaft, innerhalb und außerhalb. Und da dies das Tor zur Jungfrau der ewigen Befreiung ist, sei im Interesse Deines eigenen Wohlbefindens anhaftungslos sowohl im Innen wie im Außen – richte Deinen Geist immer auf das ewige Selbst.

.

378

Schneide Dein Verlangen nach Sinnesobjekten, die wie Gift sind, ab – es ist das Abbild des Todes, wirf alle eigennützigen Handlungen von Dir, gib gesellschaftliche Stellung, Familie und Lebensweise auf. Gib deine Identifikation mit solch unwirklichen Dingen wie dem Körper auf und richte Deinen Geist auf das Selbst. Denn in Wirklichkeit bist Du der Beobachter, das Brahman, unbefleckt, nicht dual, das Höchste.

.

379

Richte den Geist fest auf das Ziel, auf Brahman, zügele die Sinnesorgane in ihren jeweiligen Zentren, halte den Körper stabil und sorge Dich nicht um seinen Erhalt, erreiche die Einheit von Brahman und Selbst, und trinke beständig die Wonne von Brahman in Deinem eigenen Selbst wenn Du eins mit Ihm bist. Von welchem Nutzen sind andere Dinge? Sie sind vollkommen leer!

.

380

Verweile im Selbst, der absoluten Wonne, und der Quelle der Befreiung, wenn Du alle Gedanken an das Nicht-Selbst, das unrein und die Ursache von Leiden ist, aufgegeben hast.

.

381

Ewig scheint dieser Atman, der wesenhafte strahlende Beobachter von allem, immer offenbar in der Hülle des Intellekts. Mache diesen Atman, der sich vom Unwirklichen unterscheidet, zum Ziel Deiner Einkehr, meditiere über Ihn als Dein eigenes Selbst und löse Dich von allen anderen Gedanken.

.

382

Dieses Selbst muss man durch ununterbrochene Betrachtung – frei von anderen Gedanken- klar erkennen und als das eigene wahre Wesen erkennen.

.

383

Festige die Identifikation mit dem eigenen wahren Selbst! Gib die Identifikation mit dem Ego, mit dem Körper und den Sinnesorganen auf! Sei diesen gegenüber gleichgültig, als wären sie Kleinigkeiten wie z.B. ein zerbrochener Krug.

.

384

Halte das geläuterte Gemüt im wahren Selbst, im Beobachter, in der reinen Erkenntnis fest. Bringe es nach und nach zur Ruhe. Dann schaue nur noch dem vollendeten Selbst!

.

385

Betrachte das unteilbare und unendliche Selbst (Atman), unendlich wie der Himmel, frei von allen Begrenzungen des Körpers, der Sinnesorgane, der Lebenskräfte, vom Geist und Ego – frei von all denen, die aus Unwissenheit über das Selbst entstehen.

.

386

Nachdem man hunderte seiner Begrenzungen wie einen Topf, einen Krug, eine Scheune oder ein Nadelöhr losgelassen hat, wird der Raum erkannt als eins und nicht als viele. Genauso ist das Reine Höchste (Brahman) in der Tat eins, wenn es vom Ego und dem Rest befreit wurde.

.

387

Von Brahma angefangen bis hin zu einem Grashalm sind alle konditionierten Begrenzungen nichts als unwirklich. Daher sollte man sein eigenes Selbst als das eine und einzig existierende Prinzip erkennen.

.

388

Wo man fälschlicherweise denkt, dass etwas existiert, erkennt man mit der rechten Unterscheidung das Reale selber – das dort nichts anders als dieses ist. Die fälschlicherweise wahrgenommene Schlange verschwindet und das Seil erscheint als die Wahrheit wenn der Fehler beseitigt wird. Genauso erkennt man das wahre Wesen der Welt: das Selbst.

.

389

Das Selbst ist Brahma, das Selbst ist Vishnu, das Selbst ist Indra, das Selbst ist Shiva – das Selbst ist dieses ganze Universum. In der Tat existiert nichts außer dem Selbst.

.

390

Das Selbst ist im innen, das Selbst ist im außen, das Selbst ist vorn, das Selbst ist hinten, das Selbst ist im Süden, das Selbst ist im Norden, so ist es auch oben und unten.

.

391

So wie die Welle, der Schaum, der Strudel, die Blasen, im Wesentlichen nichts anderes sind als Wasser, so ist auch Bewusstsein alleine alles vom Körper bis zum Ego. Tatsächlich ist alles nur das homogene reine Bewusstsein, die eine ungeteilte reine Essenz.

.

392

Das gesamte Universum, das wir durch Sprache und Geist kennen, ist nichts als Brahman. Es gibt nichts außer Brahman für einen, der jenseits der Grenzen von Prakriti steht. Kann der Krug, Becher, Topf, etc. jemals etwas anderes sein als der Ton, aus dem sie gemacht wurden? Berauscht vom Trank der Illusion (Maya) spricht der Getäuschte von „du“ und „ich“.

.

393

Mit vielen Aussagen erklärt die Shruti die Abwesenheit von Dualiät mit dem Satz „wo nichts anderes ist“, etc. um alle falschen Projektionen zu entfernen.

.

394

Die Höchste Wirklichkeit (Brahman) existiert aus sich selbst, ist wie Raum rein, frei von Vielfalt, unbegrenzt, reglos, unveränderlich, ohne innen und außen, ungeteilt, nicht-dual. Was anderes gibt es zu erkennen?

.

395

Was gibt es da viel zu sagen? Das Individuum ist selbst Brahman, das Absolute, das Universum in seiner ganzen Weite ist nichts anderes als Brahman, das Absolute. Die Veden sagen aus, dass Brahman nicht-dual ist. Es ist unstrittig, dass diejenigen, die erleuchtet sind, die ihre Identität in Brahman etabliert haben und die ihre Verbindungen mit der äußeren Welt aufgegeben haben, stets in Einheit mit Brahman, ewigem Wissen und Wonne leben.

.

396

Überwinde mit aller Kraft die Wünsche, die aus der Identifikation mit dem unreinen grobstofflichen Körper entstanden sind. Überwinde auch die Identifikation mit dem feinstofflichen Körper, der dem unsichtbaren Wind gleicht. Erkenne das was in den Veden als das Wesen ewiger Glückseligkeit beschrieben wird, deine eigene wahre Natur ist – verwirkliche das Absolute (Brahman) in dir.

.

397

Solange der Mensch an seinem Körper hängt, der einem Leichnam gleicht, solange ist er unrein, leidet unter der Angst vor Geburt, Krankheit und Tod. Wenn er aber weiß, dass er das reine, glückselige und unveränderliche Selbst ist, lebt er frei von Leiden und Angst. Dies bezeugen auch die Veden.

.

398

Wenn die auf das Selbst projizierten unwirklichen Phänomene entfernt werden, existiert allein Brahman, die unendliche, nicht-duale, nicht handelnde Absolute Wirklichkeit.

.

399

Konzentriert man die Gedanken auf das Höchste Selbst, auf die Absolute Wirklichkeit, die frei von Vielfalt ist, wird keine Vielfalt mehr wahrgenommen. Dann bleibt von Vielfalt nichts als leeres Gerede übrig.

.

400

Die Auffassung von Vielfalt in der Einen Wirklichkeit ist nur eine Einbildung. Wie kann es in der Wirklichkeit, die unveränderlich, formlos und eigenschaftslos ist, Verschiedenheit geben?

.

401

Wie könnte es in der Einen unveränderlichen, formlosen Wirklichkeit – wo weder Seher, Sehen noch Gesehenes existiert – Getrenntheit geben?

.

402

Wie könnte es in der Einen unveränderlichen, formlosen, absoluten Wirklichkeit – die unendlich und allerfüllend ist, wie der Ozean nach Auflösung der Welt – Getrenntheit geben?

.

403

Wie können da in der Höchsten Wirklichkeit, die non-dual und absolut ist, wo sich die Ursache der Unwissenheit wie die Finsternis im Licht auflöst, Getrenntheit geben?

.

404

Wie kann in der ungeteilten Höchsten Wirklichkeit von der Getrenntheit Rede sein? Wer kann schon in der reinen Glückseligkeit des Tiefschlafs Unterschiede wahrnehmen?

.

405

Wenn die Höchste Wirklichkeit erkannt wird, gibt es kein Universum im Absoluten Brahman, im Ewigen Selbst. Auch in den drei Zeiten gibt es die im Seil gesehene Schlange nicht, genauso wenig, wie es keinen Wassertropfen gibt in der Luftspiegelung.

.

406

Der Veda erklärt, dass die duale Welt nur eine Illusion (Maya) ist. Nicht- Dualität (Advaita) ist die Absolute Wahrheit. Dies können wir unmittelbar im Tiefschlaf erfahren.

.

407

Die Weisen sehen, dass die Projektion vom Substrat nicht verschieden ist – genauso wie das Seil und die Schlange. Die Verschiedenheit entsteht nur aufgrund von Unwissenheit.

.

408

Die Vielfalt des Universums hat seinen Ursprung im Geist. Ist der Geist still, gibt es keine Vielfalt. Darum konzentriere den Geist auf das Höchste Selbst ausgerichtet im Innersten!

.

409

Unbeschreiblich, ewig erleuchtet, absolut glückselig, unvergleichbar, unbegrenzt, ewig frei, wunschlos, unendlich wie der Raum, ungeteilt, nicht vielfältig – das ist Brahman. Diese vollendete Absolute Wirklichkeit erfährt der Weise im Herzen in tiefer Meditation.

.

410

Frei von Ursache und Wirkung, als die Wirklichkeit jenseits aller Vorstellungen, als gleichbleibend, jenseits aller Vergleiche und Beweise, ewig, als selbst gegründet, verbürgt von den Worten in den Schriften – das ist Brahman. Diese vollendete Absolute Wirklichkeit erfährt der Weise im Herzen in tiefer Meditation.

.

411

Nicht alternd, unsterblich, vom Wesen der unvergänglichen Wirklichkeit, gleich dem stillen Meer, namenlos, frei von Wandel und Kennzeichen, immerwährend, friedvoll, Eins – das ist Brahman. Diese vollendete Absolute Wirklichkeit erfährt der Weise im Herzen in tiefer Meditation.

.

412

Mit einem gesammelten Geist in Samadhi erkenne dein eigenes Selbst, das Selbst von unendlicher Ausstrahlung! Löse dich von deiner Gebundenheit, die von den Eindrücken vorheriger Leben herrühren! Verwirkliche mit aller Kraft das Ziel des menschlichen Daseins!

.

413

Meditiere über das Selbst im Selbst, das Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit (Sat Chit Ananda) ist, frei von allen Begrenzungen, nicht-dual. Dann wirst du nie wieder der Wiedergeburt unterworfen sein!

.

414

Wenn er den Körper einmal aufgegeben hat, wie eine Leiche, hat der Weise keine Bindung mehr an ihn. Wie ein Schatten ist er jedoch noch sichtbar als eine Erscheinung aufgrund von Wirkungen vergangener Handlungen.

.

415

Verwirkliche Atman als Wesen der ewigen, reinen Erkenntnis und Glückseligkeit! Nimm großen Abstand von dem begrenzten, dummen, unreinen Körper! Dann denke nicht mehr an ihn, denn ein Ding, das erbrochen wurde, ruft nur Abscheu hervor, wenn es daran erinnert wird.

.

416

Lasse den Körper vollständig im Feuer des ewigen Selbst, in der non-dualen Absoluten Wirklichkeit verbrennen. Dann bleibt der wahrhaft Weise begründet als ewig reine Erkenntnis und Glückseligkeit im Selbst.

.

417

Ob der aus dem Faden des wirksamen Karma gewobene Körper vergeht oder weiter besteht, kümmert den Kenner der Wahrheit nicht mehr. Genauso wie der Kranz um ihren Hals die Kuh nicht kümmert. Seine Gedanken ruhen im Absoluten, im Wesen der Glückseligkeit.

.

418

Wozu und wem zuliebe sorgt sich der Kenner der Wahrheit um den Körper, nachdem er Atman in seiner vollendeten Glückseligkeit als sein wahres Wesen erkannt hat?

.

419

Der vollendete Yogi, der zu Lebzeiten befreit ist, erlangt dies als Ergebnis: er genießt in seinem wahren Wesen ruhend unendliche Glückseligkeit innen wie außen.

.

420

Erkenntnis ist die Frucht von Losgelöstheit, Gedankenstille ist die Frucht von Erkenntnis. Der Friede, der in der Glückseligkeit des Selbst erfahren wird, ist die Frucht von Gedankenstille.

.

421

Wenn die höheren Stufen der Gottsuche ausbleiben, waren die vorhergehenden fruchtlos. Wen die vorangehenden Stufen vollendet sind, stellen sich Losgelöstheit, höchste Freude und unvergleichliche Glückseligkeit auf ganz natürliche Weise ein.

.

422

Gleichmut im Erfahren von Leid wird als Frucht der Erkenntnis gepriesen. Wie könnte ein Mensch die verabscheuungswürdigen Taten, die er im Zustand der Verblendung begangen hat, noch vollbringen, wenn er die Kraft der Unterscheidung hat?

.

423

Die Frucht der Erkenntnis ist Losgelöstheit vom Unwirklichen. Anhaftung ans Unwirkliche gilt als Frucht der Unwissenheit. Das sind die Früchte des Wissenden und des Unwissenden in Bezug auf eine Fata Morgana und andere unwirkliche Erscheinungen. Welche Frucht könnte ein Wissender sonst erfahren?

.

424

Wie könnte ein Sinnesobjekt von sich aus Grund zur Anhaftung sein für jemanden, der keine Wünsche hat, wenn der Knoten der Unwissenheit im Herzen restlos durchschnitten ist?

.

425

Wenn angesichts von Sinnesobjekten keine Wünsche mehr auftreten, ist der Höhepunkt der Losgelöstheit erreicht. Wenn sich kein Ichgefühl mehr regt, ist die höchste Stufe der Erkenntnis verwirklicht. Wenn die zur Ruhe gekommenen Gedanken nicht wieder erscheinen, ist die Gedankenstille vollendet.

.

426

Jemand, dessen Geist frei von äußeren Sinnesobjekten ist, indem er ständig in der Einheit mit dem Absoluten verweilt, betrachtet Besitz und Genuss, die von anderen erstrebt werden, wie ein Schlafender, wie ein Kind. Er sieht diese Welt, wie die Welt, die im Traum wahrgenommen wird. Sein Geist ist an einem anderen Ort. Er genießt die Früchte endloser verdienstvoller Taten, ist gesegnet und wird in der Welt verehrt.

.

427

Wer in der Erleuchtung gefestigt ist und der Welt entsagt, erfreut sich immerwährender Glückseligkeit. Seine Seele ruht ausschließlich im Absoluten, unwandelbar, reglos, still.

.

428

Erleuchtung bedeutet der non-duale, aus reinem Bewusstsein bestehende Zustand, der in der Einheit des reinen Absoluten und dem reinen Selbst aufgeht. Wessen Erleuchtung beständig ist, gilt als zu Lebzeiten befreit.

.

429

Wer ständig erleuchtet und immerdar glückselig ist, wer die Welt der Erscheinungen beinahe vergessen hat, gilt als zu Lebzeiten befreit (Jivanmukta).

.

430

Wer keine Gedanken mehr hat und trotzdem wach, aber frei von den Merkmalen des Wachzustandes ist, wessen Bewusstsein leer von Neigungen und Wünschen ist, der gilt als zu Lebzeiten befreit.

.

431

Er ist frei von der Einbildung der Seelenwanderung. Obwohl er die Teile eines Körpers hat, ist er ungeteilt. Auch wenn er ein Gemüt hat, ist er ohne Sorgen. Ein solcher gilt als zu Lebzeiten befreit.

.

432

Obwohl er in einem Körper lebt und dieser ihm wie ein Schatten folgt, hat er kein Bewusstsein von den Konzepten „ich“ und „mein“. Ein solcher gilt als zu Lebzeiten befreit.

.

433

Keine Gedanken an die Freuden der Vergangenheit, keine Gedanken an die Zukunft und sogar Gleichgültigkeit für die Gegenwart – dies sind die Anzeichen für einen zu Lebzeiten Befreiten.

.

434

Die Einsicht, dass in der Welt auch die Phänomene in ihrer Vielfalt mit ihren unterschiedlichsten Eigenschaften im Wesentlichen gleich sind – dies ist das Anzeichen für einen zu Lebzeiten Befreiten.

.

435

Egal ob der Geist Angenehmes oder Unangenehmes, Erwünschtes oder Unerwünschtes erfährt, bleibt er unverändert durch Gleichmut – dies ist das Anzeichen für einen zu Lebzeiten Befreiten.

.

436

Fortwährend absorbiert in der Erfahrung der Glückseligkeit Brahmans, keine Unterscheidung zwischen innen und außen wahrnehmend- dies ist das Anzeichen für einen zu Lebzeiten Befreiten.

.

437

Wer vollkommen gleichgültig gegenüber den Vorgängen im Körper, Geist und in den Sinnen ist, frei von den Gedanken an „ich“ und „mein“,  hat das Merkmal eines zu Lebzeiten Befreiten.

.

438

Wer durch die Schriften bestätigt erkannt hat, das das Selbst Brahman ist, und frei von den Fesseln des Kreislaufs von Geburt und Tod ist, hat das Merkmal eines zu Lebzeiten Befreiten.

.

439

Wer zum einen – hinsichtlich des Körpers und der Sinnesorgane – frei vom Gefühl von „ich“ ist, und zudem auch vom Konzept von „dies oder das“ hinsichtlich anderer Dinge frei ist, gilt als zu Lebzeiten befreit.

.

440

Wer durch direktes Wissen niemals einen Unterschied zwischen dem Selbst und dem Absoluten und zwischen dem Absolutem und dem Universum sieht, gilt als zu Lebzeiten befreit.

.

441

Wessen Gemütszustand gleich bleibt, ob er von Guten verehrt oder von Bösen geplagt wird, gilt als zu Lebzeiten befreit.

.

442

So wie die Flüsse, die in den Ozean münden, diesen nicht verändern, ebenso wenig verändert sich der befestigte Geist des Schülers durch die Sinneseindrücke, wenn er in der Absoluten Wirklichkeit absorbiert ist. Er ist wahrlich befreit.

.

443

Derjenige, der die Wahrheit des Absoluten erkannt hat, bleibt vom Daseinswandel unberührt. Derjenige, der noch an den Äußeren haftet, hat die Gottesverwirklichung noch nicht erreicht.

.

444

Es wird fälschlicherweise behauptet, dass der Selbstverwirklichte in Folge von früheren Eindrücken und Neigungen (Vasana) noch an den Daseinswandel gebunden ist. Wenn die Einheit vom Selbst mit dem Absoluten erkannt wird, lösen sich die Vasanas auf.

.

445

Selbst bei einem überaus sinnlichen Menschen vergehen in der Gegenwart der eigenen Mutter alle begehrlichen Gedanken. Ebenso verliert der Weise alle Begierden, wenn er die absolute Wonne im Brahman erkannt hat.

.

446

Selbst wer eine beständige vertiefte Meditationspraxis hat, wendet sich immer wieder äußeren Dingen zu. In diesem Fall sprechen die Schriften von Prarabdha Karma, das an den Früchten erkannt wird.

.

447

Solange man noch Freude und Leid erfährt, spricht man vom Karma dieses Lebens (Prarabdha Karma). Ergebnisse entstehen aus früheren Taten. Ohne frühere Taten entstehen keine Ergebnisse.

.

448

„Aham Brahma“ – durch die Erkenntnis „Ich bin die Absolute Wirklichkeit“ löst sich das in Hunderten von Millionen Zeitaltern angehäufte Karma auf, so wie sich die Vorgänge im Traum beim Aufwachen verflüchtigen.

.

449

Kann der aus dem Schlaf Erwachte durch seine im Traum begangenen Sünden oder Verdienste in den Himmel oder in die Hölle kommen?

.

450

Der Selbstverwirklichte ist ungebunden wie der Himmel. Er sorgt sich nicht im Geringsten um die noch nicht ausgeführten karmischen Handlungen.

.

451

Wie der Raum im Krug den Geruch des Brandweines nicht annimmt, wird das Selbst (Atman) nicht durch Eigenschaften der  begrenzenden Attribute beeinflusst.

.

452

Das Karma dieses Lebens aus der Zeit vor dem Erlangen der Selbsterkenntnis löst sich mit der Erkenntnis nicht auf, ohne seine Früchte getragen zu haben. Genauso wie ein abgeschossener Pfeil unaufhaltsam auf sein Ziel zugeht.

.

453

Der auf einen vermeintlichen Tiger abgeschossene Pfeil bleibt nicht stehen, wenn man hinterher erkennt, dass es eine Kuh ist, sondern durchbohrt das Ziel mit voller Wucht.

.

454

Das Karma dieses Lebens ist auch für die verwirklichte Person sehr machtvoll und wird erst durch den Verbrauch seiner Früchte beendet, während das Karma aus früheren und zukünftigen Leben durch das Feuer vollendeter (Selbst)Erkenntnis verbrannt werden. Aber keine dieser drei Arten von Karma beeinflusst diejenigen, die die Einheit des Selbst mit Brahman erkannt haben und immer in Ihm verwurzelt leben. Sie sind wahrhaftig das transzendierte Brahman.

.

455

Für einen Selbstverwirklichten, der die Dualität aufgelöst hat, der frei von den begrenzenden Hüllen ist und sein Selbst mit Brahman verschmolzen ist – ist die Frage nach der Existenz vom Karma dieses Lebens bedeutungslos, genauso wie die Frage nach Traumobjekten für denjenigen von keiner Bedeutung mehr ist, der bereits aufgewacht ist.

.

456

Derjenige, der erwacht ist vom Schlaf, hat keine Vorstellung von „Ich“ und „Mein“ in Bezug auf den Traumkörper und die Traumobjekte. Er bleibt stets wach als sein eigenes Selbst.

.

457

Er hat kein Verlangen danach zu beweisen, dass die unrealen Objekte real sind, noch hält er die Traumwelt aufrecht. Wenn er noch an unrealen Gegenständen haftet, ist er noch nicht wirklich vom Schlaf erwacht.

.

458

Auf ähnlicher Weise nimmt einer, der im Höchsten Absoluten ruht und in der ewigen Wirklichkeit des wahren Selbst existiert, nichts anderes als die Wirklichkeit wahr. Wie man sich an Dinge erinnert, die im Traum gesehen wurden, so erinnert sich der Weise an alltägliche Dinge wie Essen, Schlafen, Notdurft usw.

.

459

Der Körper ist von Karma geformt worden. Daher betrachte Karma als etwas, das zum Körper gehört. Aber es gibt keinen Grund, es dem Selbst zuzuordnen, da das Selbst ohne Anfang ist und niemals als Ergebnis vergangener Handlungen erschaffen wurde.

.

460

Das Selbst ist ohne Geburt, ewig und unvergänglich – so lautet die unfehlbare Erläuterung der Veden. Wie kann das Karma dieses Lebens jemandem zugeschrieben werden, der im Selbst verweilt?

.

461

Solange man sich für den Körper hält, ist das Karma dieses Lebens wirksam. Die Identifikation mit dem Körper ist ein Irrtum. Das Karma dieses Lebens muss aufgegeben werden.

.

462

Das Karma überhaupt dem Körper zuzuschreiben ist entschieden eine Illusion. Wie kann eine Überlagerung irgendeine Existenz haben? Wie kann das Unreale geboren werden? Und wie kann das, was nie geboren wurde, sterben? Also wie kann das Karma dieses Lebens für etwas Unreales funktionieren?

.

463

Wie kann der Körper weiterhin existieren, wenn die Ursache und Wirkung der Unwissenheit durch Erkenntnis aufgehoben worden sind?

.

464

Die Schriften stellen das Konzept von Karma für die Unwissenden auf der relativen Ebene vor. Die Kernaussage der Veden bezieht sich jedoch auf die Höchste Wirklichkeit, auf die Unwirklichkeit des Körpers.

.

465

Es gibt nur das Eine nicht-duale Absolute. Es ist vollständig, ohne Anfang und Ende, unermesslich, unveränderlich. In Ihm gibt es keinerlei Vielfalt.

.

466

Es gibt nur das Eine nicht-duale Absolute. Es ist reines Sein (Sat), reines Bewusstsein (Chit), ewig reine Glückseligkeit (Ananda). In Ihm gibt es keinerlei Vielfalt.

.

467

Es gibt nur das Eine nicht-duale Absolute. Es ist das Innerste, die All-Einheit, Fülle, Unendlichkeit, Allgegenwart. In Ihm gibt es keinerlei Vielfalt.

.

468

Es gibt nur das Eine nicht-duale Absolute. Es kann weder zurückgewiesen noch angenommen werden. Es ist unfassbar, von nichts abhängig. In Ihm gibt es keinerlei Vielfalt.

.

469

Es gibt nur das Eine nicht-duale Absolute. Es ist eigenschaftslos, ohne Teile, subtil, unvergleichbar, makellos. In Ihm gibt es keinerlei Vielfalt.

.

470

Es gibt nur das Eine nicht-duale Absolute. Es ist von undefinierbarem Wesen, unerreichbar für Gedanken und Worte. In Ihm gibt es keinerlei Vielfalt.

.

471

Es gibt nur das Eine nicht-duale Absolute. Es ist wahr, evident, in sich vollkommen, reine Intelligenz, unvergleichlich. In Ihm gibt es keinerlei Vielfalt.

.

472

Die großen Weisen, die frei von Anhaftungen, still und beherrscht sind und dem Sinnesvergnügen völlig entsagt haben, erkennen diese Höchste Wahrheit. Sie erreichen am Ende des Lebens durch die Selbstverwirklichung die Höchste Wonne.

.

473

Vertiefe auch du dich in diese Höchste Wirklichkeit, in die wahre Wesensnatur von Atman, die reine Glückseligkeit ist! Befreie dich von allem Irrtum, den dein eigener Geist kreiert hat. Sei frei, erreiche das Ziel des Lebens, erwache!

.

474

Schau in vollkommener Gedankenstille, in tiefer Versenkung, mit dem Auge klarer Erkenntnis, die wahre Natur des Selbst! Wenn der Sinn der Schriften restlos erfasst ist, gibt es ganz gewiss keinen Zweifel mehr.

.

475

Wenn die Fesseln der Unwissenheit fallen, wird das Selbst als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit erkannt. Dann gewinnen die Schriften, die logische Schlussfolgerungen und die Worte des Meisters ihre Beweiskraft, und auch die im Inneren gemachte eigene Erfahrung wird real.

.

476

Bindung und Erlösung, Zufriedenheit und Sorgen, Krankheit und Gesundheit, Hunger und Durst sind nur von einem selber erfahrbar. Andere können all das nur indirekt erfahren.

.

477

Die Meister und die Schriften haben bereits die Unwissenheit des Ozeans überquert und lehren vom jenseitigen Ufer aus. Der Schüler hinterlässt die Unwissenheit durch die Erleuchtung mit Erkenntnis durch Gottes Gnade.

.

478

Wenn der Schüler aus Erfahrung das eigene ungeteilte Selbst (Atman) selbst erkennt, ist er selbstverwirklicht und lebt in der Essenz mit dem Selbst im Selbst, das frei von jeglichem Konzept der Dualität ist.

.

479

Der grundlegende Lehrsatz des Vedanta sagt: „Die individuelle Seele (Jiva) und das gesamte Universum sind nichts anderes als Brahman, die Absolute Wirklichkeit.“ Befreiung heißt im Brahman, im ungeteilten Sein zu bleiben, die Aussage, dass Brahman nicht-dual ist, wird in den Schriften hinlänglich bewiesen.

.

480

Wenn der Gottsuchende durch die Worte des Meisters, durch die Wahrheit der Schriften und durch das eigene Nachdenken mit kontrollierten Sinnen und geschultem Geist die höchste Wahrheit erkennt, ruht er bewegungslos in seiner Form und vollkommen verankert in seinem Selbst.

.

481

Nachdem er seinen Geist eine Zeitlang auf das höchste Brahman gerichtet hatte, erhob er sich und sprach aus dem Zustand höchster Wonne wie folgt:

.

482

„Mein Intellekt ist komplett verschwunden und alle Aktivitäten sind von mir abgefallen indem ich die Einheit von Selbst und Brahman erkannt habe, ich kenne weder ‚dies‘ noch ‚nicht-dies‘, noch weiß ich was oder von welchem Ausmaß diese unendliche Wonne ist.“

.

483

Die Herrlichkeit der Höchsten Absoluten Wirklichkeit, gleich einem Ozean gesättigt mit der Flut der nektargleichen Wonne des Selbst, kann weder in Worte gefasst noch durch den Geist erfasst werden. Mein Geist, der wie ein Hagelkorn im Ozean verschwunden ist, hat sich in einem winzigen Teil desselben aufgelöst, und ist nun glücklich, einsgeworden mit der Glückseligkeit des Selbst.

.

484

Wohin ist es verschwunden, wer hat es entfernt, wo hat sich das Universum vereinigt? In diesem Moment habe ich es gesehen, hat es nun aufgehört zu existieren? Wunder des Wunders!

.

485

Was gilt es zu verwerfen oder anzunehmen im großen Ozean der Absoluten Wirklichkeit, der mit dem Nektar der absoluten Wonne gefüllt ist? Was existiert darüber hinaus und was ist dort, das in irgendeiner Art und Weise anders ist?

.

486

Nichts sehe ich hier, nichts höre ich hier, nichts erkenne ich. Ich bin nichts als das Selbst, ewige Wonne, frei von allen Merkmalen.

.

487

Verehrung, nur Ehrerbietung Dir, dem großen Lehrer, der du frei von Anhaftungen bist, dem Höchsten der Weisen, verkörperte Essenz der ewigen, non-dualen Glückseligkeit, dem uferlosen Ozean des Mitgefühls!

.

488

Verehrung, nur Ehrerbietung Dir, dem großen Lehrer, der du mit einem Blick wie die herabströmende Lichtflut des Mondes, meine Müdigkeit – die aus den Qualen des Kreislaufes von Geburt und Geburt entstanden sind – beseitigt hast. In einem Augenblick ist mir die ungeteilte Herrlichkeit und Freude, die unvergängliche Erhabenheit des Selbst zuteil worden.

.

489

Dank deiner Gnade bin ich gesegnet, am Ziel des Lebens angelangt, aus der Gefangenschaft im Kreislauf von Geburt und Tod befreit. Ich bin die Verkörperung ewiger Wonne, die unendliche Fülle.

.

490

Ich bin ohne Anhaftung, ohne grob- und feinstofflichen Körper, unvergänglich, still und friedvoll, unendlich, unbefleckt, anfangslos.

.

491

Ich bin nicht der Handelnde, nicht der Erfahrende. Ich bin ohne Veränderung, ohne Anpassung, ohne Aktivität. Ich bin nach meiner Wesensnatur reines Bewusstsein, absolut, immerwährend glücklich.

.

492

Ich bin nicht der Sehende, der Hörende, der Sprechende, der Handelnde, der Genießer der Erfahrungen. Ich bin ewig, ganz, jenseits von Handlung, unermesslich, nicht verhaftet und grenzenlos, die Essenz des alles durchdringenden Bewusstseins.

.

493

Ich bin nicht dies und auch nicht das, aber der höchste Beleuchter von beidem, rein, frei von jeglichem Inneren oder Äußeren. Ich bin grenzenlos, wahrlich, ich bin das nicht-duale Brahman.

.

494

Ich bin unvergleichlich, die Wirklichkeit ohne Anfang, jenseits aller vorstellbaren Unterscheidungen wie „Du“ und „ich“, „dieses“ und „jenes“. Die Essenz der ewigen Wonne, reines Sein. Ich bin das nicht-duale Brahman.

.

495

Ich bin Narayana, ich bin der Töter von Naraka, ich bin der Zerstörer von Tripurasura, Ich bin das höchste Wesen, der Herr, ich bin das ungeteilte Bewusstsein, ich bin der Zeuge aller Dinge, ich habe keinen anderen Herrn und ich bin frei vom Gefühl für „ich“ und „mein“.

.

496

Ich bin die einzige Wirklichkeit, die in allen Wesen in der Form von Wissen existiert. Ich bin selbst derjenige, der erlebt und der Erfahrung hat, ich bin all das, was von mir früher eindeutig als „dies“ und „nicht dies“ erlebt wurde.

.

497

In mir, dem Ozean der steten Wonne, heben sich endlose Wellen des Universums und senken sich im Spiel des Sturms der Maya.

.

498

Menschen stellen sich Konzepte des Groben usw. falsch in mir vor aufgrund des fortlaufenden Erscheinens von Überlagerungen – selbiges gilt auch für die Zeit, die unteilbar und absolut ist. Zyklen, Jahre, Halbjahre, die Jahreszeiten entspringen der eigenen Vorstellung.

.

499

Selbst die größten Wassermengen, die bei einer Fata Morgana auftauchen, können niemals die Wüste benetzen. Das, was durch Menschen, die durch die Missstände in ihrem Geist getäuscht werden, übergelagert wird, kann niemals das Substrat beflecken.

.

500

Ich bin frei von Unreinheit wie der Raum. Wie die Sonne bin ich verschieden von dem, was erhellt wird. Wie der Berg bin ich fest und unverrückbar, wie der Ozean bin ich unbegrenzt.

.

501

Ich bin mit dem Körper nicht verbunden, wie auch die Wolken mit dem Himmel nicht verbunden sind. Was habe ich folglich mit Wachen, Traum und Tiefschlaf zu tun, die Eigenschaften des Körpers sind?

.

502

Es sind nur die begrenzenden Attribute, die kommen und gehen, die Handlungen verrichten und genießen, die altern und sterben. Ich (das Selbst) bleibe unbewegt, wie ein Felsmassiv.

.

503

Für mich, den ewig Einen, Unteilbaren, gibt es weder Tätigkeit noch Untätigkeit. Wie kann das Eine, Vollständige und unbegrenzte wie der Himmel jemals aktiv tätig sein?

.

504

Wie könnte es für mich verdienstvolle Taten und Sünden geben, für mich, der keine Sinne, keinen Geist hat, unveränderlich und ohne Gestalt ist, der die Verwirklichung der absoluten Wonne ist? Auch in den Schriften steht „unberührt von Verdienst und Schuld“.

.

505

Auch wenn der Schatten eines Menschen Hitze, Kälte, Angenehmem oder Unangenehmem ausgesetzt ist, wird es den Menschen, der vom Schatten verschieden ist, nicht im Geringsten beeinflussen.

.

506

Ebenso wird der unveränderliche, unbeteiligte Zeuge nicht von den Dingen beeinflusst, die er beobachtet, so wie die Beschaffenheit eines Raumes nicht die Lampe beeinflusst, die ihn erhellt.

.

507

So wie die Sonne unbeteiligte Zeugin aller Vorgänge ist, wie das Feuer alles verbrennt, ohne zu unterscheiden, so wie das Seil mit der Schlange nur scheinbar verbunden ist, genauso verhält es sich mit der unveränderbaren Essenz des Bewusstseins.

.

508

Ich bin weder der Handelnde, noch der, der andere zum Handeln veranlasst. Ich bin weder der Erfahrende, noch der, der andere erfahren lässt. Ich bin weder der Seher, noch der, der andere sehen lässt. Ich bin das aus sich selbst leuchtende, transzendente Selbst.

.

509

Wenn sich ein Spiegelbild bewegt, schreiben Unwissende die Bewegung des Spiegelbildes dem widergespiegelten Urbild zu, wie bei der (sich in bewegtem Wasser widerspiegelnden) Sonne, die frei von irgendeiner Aktivität ist, und denken: „Ich handele, ich erfahre, ich werde getötet.“

.

510

Lass sich den trägen Körper auf dem Wasser oder an Land bewegen, Ich bin unberührt von seinen Eigenschaften, so wie der Raum unberührt ist von den Eigenschaften des Kruges.

.

511

Tätigkeit, Genuss, Schlauheit, Trunkenheit, Dumpfheit, Bindung und Freiheit – diese vergänglichen Zustände des Intellekts sind in Wirklichkeit niemals dem Selbst zu eigen, welches das göttliche Brahman, das Absolute und Nicht-Duale ist.

.

512

Es mag zehn, hundert oder tausend verschiedene Veränderungen in der Urnatur geben. Was habe Ich, das unberührte, anhaftungslose, Absolute Bewusstsein damit zu tun? Die Wolken können niemals den Himmel beeinträchtigen.

.

513

Ich bin fürwahr das nicht-duale Absolute, subtil, ohne Anfang und Ende wie der Himmel, in dem dieses Universum vom Unsichtbaren bis zum Grobstofflichen nur als Trugbild erscheint – wahrlich, dieses nicht-duale Brahman bin ich.

.

514

Ich bin fürwahr das nicht-duale Absolute, das alles trägt, alle Dinge erleuchtet, jede Form und Gestalt annehmen kann, allgegenwärtig und vollständig leer ist, ewig, rein, bewegungslos, frei von Vielfalt und absolut – wahrlich, dieses nicht-duale Brahman bin ich.

.

515

Ich bin fürwahr das nicht-duale Absolute, Das, in welchem sich die unzähligen Unterscheidungen von Maya transzendieren, welches die innerste Essenz in allem ist, welches über die Vorstellung des Bewusstseins hinausgeht, welches Wahrheit, Wissen und unendliche höchste Glückseligkeit ist – wahrlich, dieses nicht-duale Brahman bin ich.

.

516

Ich handele nicht, ich bin unveränderlich und ohne Teile. Ich habe keine Gestalt, ich bin frei von Vielfalt. Ich bin absolut und ewig, unabhängig von allem. Ich bin frei von Dualität.

.

517

Ich bin das Selbst von allem, Ich bin alles in allem, Ich bin transzendent und nicht-dual, Ich bin absolutes unteilbares Wissen, Ich bin Glückseligkeit und ewig bin Ich.

.

518

Durch deine Gnade, oh verehrter Meister, dank deiner Barmherzigkeit habe ich das großartige Königreich und die Herrschaft der Selbsterleuchtung erlangt. Dir erhabener Meister, oh große Seele, Ehrerbietung dir, wieder und wieder.

.

519

Ich irrte in tiefem Schlaf umher, in der Finsternis von Geburt, Alter und Tod – von Maya erschaffen – Tag für Tag wurde ich gepeinigt von zahllosen scheinbaren Nöten, Leiden, Kümmernissen und stark gequält vom Tiger des Ego. Durch deine unendliche Gnade hast du mich, oh Meister, aus dem tiefen Schlaf erweckt und gerettet.

.

520

Ehrerbietung dir, oh du König unter den Lehrern, und an deine unermessliche Pracht, die sich als Glanz dieses ganzen Universums manifestiert. An dich meine Ehrerbietung.

.

521

Als die große Seele, der erhabene Meister sah, dass der würdige Schüler – der ihm so die Ehre erwies – die Wonne des Selbst erlangt hatte und zur Wahrheit erwacht war, sprach er frohen Herzens folgende erhabene Worte:

.

522

„Die Welt ist ein ununterbrochener Strom an Wahrnehmungen von Brahman. Deshalb ist nur Brahman, das Absolute, wirklich. Sieh mit dem Auge des höchsten Selbst und einem heiteren Geist immer und überall nur Brahman! Ist es überhaupt möglich, dass jemand, der Augen hat, etwas anderes sehen kann als Formen? Was also gibt es etwas anderes, das den Intellekt eines Kenners Brahmans beschäftigen könnte, als Brahman allein?“

.

523

Welcher Weise würde das Erleben höchster Glückseligkeit für den Genuss geringfügiger Dinge aufgeben? Wer will schon einen gemalten Mond bestaunen, wenn der äußerst erquickende Mond selbst zu sehen ist?

.

524

Die Wahrnehmung unwirklicher Objekte verleiht weder die geringste Zufriedenheit, noch ermöglicht sie das Beenden vom Leid. Daher verweile ewig glücklich im Selbst, erfüllt von der Erkenntnis der nicht-dualen Freude und Glückseligkeit.

.

525

Oh du große Seele, indem du überall das Selbst siehst, dich als nicht- duale Selbst kontemplierst, nutze deine Zeit, um die Freude des Selbst zu genießen.

.

526

Im Selbst, das ununterbrochenes Bewusstsein ist, sind dualistische Vorstellungen wie Luftschlösser. Daher, den höchsten Frieden erreichend, lebe in Stille, dich selbst mit dem nicht-dualen höchsten Glück eins wissend.

.

527

Der Geist, der die Ursache aller Einbildungen und Vorstellungen ist, wird vollkommen heiter von dem Weisen, welcher Brahman erkannt hat. In der Tat ist dies der Zustand der Stille, in der der im Brahman Ruhende die nicht-dual ewige Freude und Glückseligkeit des Absoluten erfährt.

.

528

Es gibt nichts Höheres als die Stille, die aus der Freiheit von subtilen Zwängen kommt, für jenen, der seine eigene wahre Natur erkannt hat und der die Wonne des Selbst genießt.

.

529

Gleich ob stehend, sitzend oder liegend, oder in jeder anderen Position, der erleuchtete Weise, dessen alleiniges Vergnügen im Selbst liegt, lebt zufrieden.

.

530

Der Weise, der die vollkommene Selbstverwirklichung erreicht hat und in seinem wahren Selbst ruht, ist nicht an Ort, Zeit, Körperhaltung, Blickrichtung, Regeln, Symbole usw. gebunden. Welche Methoden braucht er, um das eigene Selbst zu erkennen?

.

531

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um einen Krug zu erkennen, außer einem guten Wahrnehmungsvermögen? Wenn dieses vorhanden ist, erkennt man den Gegenstand.

.

532

Dieses Selbst, das eine ewige Wahrheit ist, manifestiert sich in der Gegenwart der rechten Mittel der Erkenntnis. Es ist weder an Ort und Zeit noch an (äußerliche) Reinheit gebunden.

.

533

„Ich bin Devadatta“, diese Erkenntnis ist von keiner anderen Erkenntnis abhängig. Genau so verhält es sich auch mit der Erkenntnis des Erleuchteten: „Ich bin das Absolute“.

.

534

Was aber könnte DAS erleuchten, dessen Licht das ganze vergängliche, unwirkliche und unwichtige Universum wie die Sonne erleuchtet ?

.

535

Jenen, durch Den alle Vedas, Shastras und Puranas und alle Wesen eine Bedeutung erhalten, wahrlich, was könnte Diesen Höchsten Erkenner beleuchten?

.

536

Der Kenner des Absoluten ist das aus sich selbst strahlende Selbst, allmächtig, unermesslich, allwissend. Er ist frei von Bindungen, siegreich als bester Kenner von Brahman.

.

537

Weder betrübt noch freudig erregt, weder an Sinnesobjekte gebunden noch ihnen abgeneigt, sondern zufrieden in ununterbrochener Wonne und Seligkeit weilt er im Selbst.

.

538

So wie ein Kind vertieft im Spiel seinen Hunger und körperliche Schmerzen vergisst, so ist der Weise glücklich und verweilt frei von „ich“ und „mein“.

.

539

Von Angst und Demütigung frei, haben die Weisen zu essen und trinken das Wasser der Flüsse, sie leben frei und unabhängig, ohne Furcht auf einem Verbrennungsplatz oder im Wald schlafend, ihr Gewand ist der Luftraum allein, der kein Waschen oder Trocknen braucht, die Erde ist ihr Lager, und sie wandern auf dem Pfad des Vedanta, während sie im Höchsten Absoluten verweilen.

.

540

Der Kenner des Selbst trägt kein Erkennungszeichen, ist nicht an Sinnesobjekte gebunden. Einem Kinde gleich benutzt er den Körper, ohne sich mit ihm zu identifizieren, erlebt Sinneseindrücke, wie sie durch fremden Willen auf ihn zukommen, wie ein Kind.

.

541

Im Himmelreich des Höchsten Bewusstseins ruhend durchwandert er die Welt mit oder auch ohne Kleider oder mal in Fell gehüllt, mal wie ein Narr, mal wie ein Kind, mal wie ein Geist.

.

542

In seiner Wesensnatur den Sinnesobjekten gegenüber wunschlos, wandert der Weise allein umher. Er ruht fortwährend zufrieden im eigenen Selbst, als das Selbst von allem.

.

543

Ewig freudvoll in höchster Glückseligkeit  durchwandert der Erleuchtete die Welt, mal wie ein Narr, mal wie ein Weiser, mal mit der Erhabenheit eines Königs, mal umherstreifend wie ein Bettler, mal liebenswürdig, mal reglos wie eine Schlange, mal verehrt, mal verachtet, mal vollkommen unerkannt.

.

544

Auch ohne Reichtum ist er immer glücklich, auch ohne Verbündete ist Er mächtig, auch ohne zu essen und trinken ist Er stets zufrieden. Und obwohl Ihm niemand gleicht, sieht Er alle gleich an.

.

545

Obwohl Er handelt, handelt er nicht. Obwohl er die Früchte der Vergangenheit erlebt, ist er von ihnen unberührt. Obwohl er einen Körper hat, ist er nicht damit identifiziert. Obgleich begrenzt, ist er allgegenwärtig.

.

546

Dieser Kenner Brahmans lebt frei von der Identifikation des Körpers, weder Lust noch Schmerz, weder Gutes noch Böses berühren ihn jemals.

.

547

Nur wer gebunden ist an den physischen Körper und sich mit diesem identifiziert, wird von Glück und Leid, Gut und Böse beeinflusst. Wie können Gutes oder Böses oder deren Auswirkungen auf den Weisen wirken, der sich von seiner Knechtschaft gelöst und sein Selbst als die Wirklichkeit erkannt hat?

.

548

Die Sonne ist nicht verschluckt, obwohl sie dem Schein nach von der Finsternis verschluckt ist. In ihrer Verblendung und Unkenntnis behaupten Menschen, die nicht die wahre Natur der Sonne kennen, sie würde bei einer Sonnenfinsternis verschluckt.

.

549

Genau so wird der Kenner Brahmans, der frei von den Bindungen des Körpers ist, von den Unwissenden als einer mit physischem Körper gesehen. Was sie sehen ist aber lediglich eine täuschende Erscheinung.

.

550

Der Körper des Befreiten ist wie die abgestreifte Haut einer Schlange, die zurückbleibt. Sie wird von der Kraft der Lebensenergie bewegt, so wie es ihm gefällt.

.

551

So wie ein Stück Holz von der Strömung zu einem hohen oder niedrigen Boden geschwemmt wird, so wird auch der Körper des Befreiten von den Trieben seiner Vergangenheit und seinen Früchten getrieben, sobald sie erscheinen.

.

552

Durch Wünsche, die aufgrund des Karma dieses Lebens entstanden sind, wandelt der Befreite, der den Körper bereits aufgegeben hat, durch die Welt der Erfahrungen, wie ein Mensch, der noch dem Daseinswandel unterliegt. Er selbst aber lebt still im Körper als ein unbeteiligter Zeuge, frei von Vorstellungen und Unterscheidungen, wie der Drehpunkt einer Töpferscheibe.

.

553

Der Befreite richtet den Sinn weder auf die Dinge dieser Welt noch wendet er sich von ihnen ab. Er bleibt ein unbeteiligter Beobachter. Sein Geist ist vom Nektar der Glückseligkeit des Selbst durchdrungen, und er hegt auch nicht die geringsten Erwartungen hinsichtlich der Früchte seines Handelns.

.

554

Wer die bekannten und unbekannten Wege zurücklässt und im Wesen des Absoluten ruht als Selbst, ist wahrlich Shiva selbst, der höchste Kenner des Absoluten.

.

555

Der höchste Kenner des Absoluten ist schon zu Lebzeiten für immer befreit. Er hat sein Ziel erreicht. Nachdem er alle Begrenzungen überwunden hat, verschmilzt er mit der nicht-dualen Wirklichkeit, dem Absoluten.

.

556

Wie ein Schauspieler, ob er das Kleid seiner Rolle trägt oder nicht, immer die gleiche Person ist, so ist auch der Kenner vom Brahman immer Brahman.

.

557

Der Körper eines Weisen, der sich als der Brahman verwirklicht hat, kann verwelken und fallen wie das Blatt eines Baumes, es zählt nicht, denn dieser Körper ist bereits durch das Feuer des Wissens verbrannt worden.

.

558

Der Weise, der in der ewigen Wirklichkeit, Brahman, als unendliche, nicht-duale Glückseligkeit fest verankert ist, hängt nicht von der üblichen Berücksichtigung von Ort, Zeit etc. ab, um dieses Bündel von Haut, Fleisch und Kot aufzugeben.

.

559

Das Aufgeben von Körper, Wanderstab und Wasserkrug ist an sich noch keine Befreiung. Wer immer aber den Knoten der Unwissenheit im Herzen löst, ist befreit.

.

560

Ob ein Blatt in einen Bach oder einen Fluss, auf einen Ort, der Shiva geweiht ist, oder auf eine Wegkreuzung fällt, welchen Nutzen oder Schaden hat der Baum davon?

.

561

Körper, Sinne, Lebenskräfte und Intellekt/Gemüt vergehen, so wie Blätter, Blüten und Früchte vergehen, aber das Selbst, dessen wahre Natur die ewigen Wirklichkeit und Glückseligkeit ist, vergeht nicht. Es bleibt bestehen wie der Baum.

.

562

Reines Bewusstsein ist die Natur des Selbst und bezeichnet die Wirklichkeit. Mit diesen Worten deuten die Schriften auf die wahre Natur des Selbst hin. Nachdem sie die Wahrheit verkündet haben, sprechen die heiligen Schriften von der Vergänglichkeit des Begrenzten.

.

563

„Unsterblich ist dieses Selbst (Atman), meine Liebe“ – mit diesen Worten verkünden die heiligen Schriften die Unvergänglichkeit des Selbst inmitten alles Vergänglichen und Veränderlichen.

.

564

So wie Steine, Bäume, Stroh, Getreide, Spreu usw. bei Verbrennung zu Asche werden, genauso geht alles Wahrnehmbare wie Körper, Sinne, Lebenskräfte, Verstand – wenn es im Feuer der Erkenntnis verbrannt wird – in das Sein des Höchsten Selbst ein.

.

565

Wie tiefe Finsternis sich im Licht der Sonne auflöst, so löst sich alles Wahrnehmbare, das gesamte objektive Universum, vollkommen im Brahman, in der absoluten Wirklichkeit auf.

.

566

Wenn der Topf zerbricht, wird der Raum im Topf zum unbegrenzten Raum. Ebenso wird der Kenner von Brahman zum Brahman selbst, wenn die Begrenzungen wegfallen.

.

567

Wenn Milch zu Milch, Öl zu Öl und Wasser zu Wasser gegossen wird, vereinigen sie sich zu einem. Genauso wird derjenige, der das Selbst erkannt hat, eins mit dem Selbst.

.

568

Nachdem er den Zustand des ungeteiltem Absoluten erreicht hat, das reine Sein, die körperlose Einheit, gibt es keine Wiedergeburt mehr.

.

569

Durch die Verwirklichung der Einheit des Individuellen Selbst und Brahman werden seine Körper (grobstofflich, subtil und kausal) – bestehend aus Unwissenheit usw. – verbrannt, und er wird selbst Brahman. Wie kann Brahman (das Ungeborene) jemals wiedergeboren werden?

.

570

Bindung und Befreiung sind als Folge von Maya nur eingebildet. In Tat und Wahrheit existieren sie in der Realität im eigenen Selbst nicht, so wie im nichthandelnden Seil in Wirklichkeit auch keine Schlange erscheint oder verschwindet.

.

571

Man spricht von Bindung und Befreiung, je nachdem ob der Zustand von Verschleierung besteht oder nicht. Es existiert keine Verhüllung der Absoluten Wirklichkeit. Das Absolute ist unverhüllt, da es kein Zweites außer ihm (daneben) gibt. Wenn es etwas anderes gäbe, gäbe es keine All-Einheit. Die Schriften schließen die Dualität (Dvaita) aus.

.

572

Bindung und Befreiung sind Eigenschaften des Verstandes, die die Unwissenden auf die Wirklichkeit übertragen, wie sie auch die von Wolken verschleierte Sicht der Sonne zuschreiben. Einzig und allein das nicht-duale, unveränderliche Bewusstsein ist die Absolute Wirklichkeit.

.

573

Die Vorstellung, es gäbe im Absoluten Bindung oder Befreiung oder es gäbe im Absoluten keine Bindung oder Befreiung ist nur eine Vorstellung des Intellekts, hat aber mit der ewigen Absoluten Wirklichkeit nichts zu tun.

.

574

Bindung und Befreiung sind von Maya bewirkte Illusionen. Sie existieren nicht im Selbst. Da es keine Begrenzung hinsichtlich des unendlichen Raums geben kann, wie könnte es dann irgendeine Begrenzung der höchsten Wahrheit geben, die ungeteilt, still, reglos, unanfechtbar, makellos, rein und nicht-dual ist?

.

575

Es gibt weder Geburt noch Tod, keine Bindung, keinen spirituellen Aspiranten, keinen der nach Befreiung sucht, und auch keinen Befreiten. Das ist die höchste Wahrheit.

.

576

In Anbetracht dessen, dass du ein Sucher nach Befreiung bist, unberührt von den Sünden dieses dunklen Zeitalters (Kali Yuga), mit einem Geist frei von Wünschen, habe ich dir heute – so wie ich es meinem eigenen Sohn gegenüber getan hätte – das höchste und tiefste Geheimnis, die innerste Essenz von Vedanta, das Kronjuwel aller Schriften, offenbart.

.

577

Nachdem der Schüler diese Worte des Meisters vernommen hatte, verbeugte er sich mit Ehrfurcht vor ihm und ging mit dessen Segen seines Weges, befreit von den Bindungen.

.

578

Und der Meister, dessen Geist in den Ozean ewiger Glückseligkeit eingetaucht war, wanderte für immer umher und segnete die ganze Welt.

.

579

So wurde durch ein Gespräch zwischen dem Lehrer und dem Schüler die wahre Natur des Selbst angedeutet, um dem nach Befreiung Strebenden das Verständnis nach der höchsten Erkenntnis zu erleichtern.

.

580

Mögen die Sucher nach Befreiung diese heilsame Lehre zu schätzen wissen, diejenigen, die sich von den Unreinheiten des Geistes durch Beachtung der vorgeschriebenen Methoden gereinigt haben, die gegenüber weltlichen Genüssen gleichgültig sind, die heiteren Geistes sind und sich an den heiligen Schriften erfreuen.

.

581

Diese Botschaft von Shankaracharya ist für diejenigen, die in diesem Daseinswandel durch die brennenden Schmerzen, von den sengenden Sonnenstrahlen der dreifältigen Leiden  gequält werden, und jene, die in Täuschung durch die Wüste auf der Suche nach Wasser umherirren. Diese herrliche Botschaft verkündet, dass die glückbringende nicht-duale Wirklichkeit, der Ozean von Nektar, die zur Befreiung führt, zu erreichen ist.



↓

.

auf.Gefallen

Reflektionen

.

Reflektionen

auf.Gefallen

Verse

010203040506070809101112131415161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748495051525354555657585960616263646566676869707172737475767778798081828384858687888990919293949596979899100101102103104105106107108109110111112113114115116117118119120121122123124125126127128129130131132133134135136137138139140141142143144145146147148149150151152153154155156157158159160161162163164165166167168169170171172173174175176177178179180181182183184185186187188189190191192193194195196197198199200201202203204205206207208209210211212213214215216217218219220221222223224225226227228229230231232233234235236237238239240241242243244245246247248249250251252253254255256257258259260261262263264265266267268269270271272273274275276277278279280281282283284285286287288289290291292293294295296297298299300301302303304305306307308309310311312313314315316317318319320321322323324325326327328329330331332333334335336337338339340341342343344345346347348349350351352353354355356357358359360361362363364365366367368369370371372373374375376377378379380381382383384385386387388389390391392393394395396397398399400401402403404405406407408409410411412413414415416417418419420421422423424425426427428429430431432433434435436437438439440441442443444445446447448449450451452453454455456457458459460461462463464465466467468469470471472473474475476477478479480481482483484485486487488489490491492493494495496497498499500501502503504505506507508509510511512513514515516517518519520521522523524525526527528529530531532533534535536537538539540541542543544545546547548549550551552553554555556557558559560561562563564565566567568569570571572573574575576577578579580581